Libera me f-Moll, WAB 22 (1854)

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Libera me f-Moll, WAB 22 (1854)
Fünfstimmiger gemischter Chor, Generalbaß (Cello Kontrabass, Orgel) und 3 Posaunen


NGA: XXI, Nr. 17 (Bauernfeind-Nowak, 1984)

Van Zwol Bruckner-Biografie 703



 



Zu den Aufnahmen
Eine Aufnahme dieses mit Adagio überschriebene Libera me stellt hohe Anforderungen an die Interpreten und die Klangtechnik: die Chorpartie kennt verzwickte Stellen und die Besetzung ist ungewöhnlich, weil sich zu den drei Posaunen und der Orgel noch ein Cello und ein Kontrabass gesellen. Das kann für einen Chor ein (finanzielles) Hindernis bedeuten, aber weil man das Werk gerne aufführen möchte, hat man sich etwas einfallen lassen. Manche Ensembles haben es deshalb mit der von Bruckner verlangten Besetzung nicht so genau genommen, wie aus der folgenden Beschreibung der einzelnen Aufnahmen hervorgeht: Für manche genügt es offenbar, wenn die Posaunen mitspielen, in einem Fall hat nur die Orgel überlebt - vielleicht mit dem Argument, dass man die Streicher "eh' nicht höre". Ein solcher "Verzicht" bleibt nicht ungestraft, denn die Wirkung dieses imposanten Opus beruht gerade auf dem Zusammenwirken aller Instrumente mit dem Chor. 

Die Aufnahme unter Grün ist ein Beweis für diese Tatsache. Sie verzichtet sowohl auf die Orgel wie auf die Streicher, klingt deshalb ziemlich hell und vielleicht auch deshalb sehr transparent. Nur: Die Musik erfüllt nicht mehr ihren Auftrag, sie klingt nicht nach Requiem. Die Aufnahme zeigt noch andere Eigenwilligkeiten, sowohl auf dem Gebiet der Dynamik (das p wird nicht immer beachtet), der Mittelteil läuft in einem viel schnelleren Tempo ab als die Außenteile, und durch die vielen Akzente bekommt die Musik etwas Staccatoartiges, Abgehacktes. Bei Zanotelli lässt sich nicht entscheiden, ob nur zwei Streicher oder vielleicht ein kleines Kammerorchester mitspielt.

Die Aufnahme unter Best klingt feierlich und imposant, und auch etwas dezent, sie bleibt trotz der hervorragenden Interpretation klanglich etwas blass. Sie bildet in dieser Hinsicht einen Gegensatz zu der von Kerbl, dessen Aufnahme u.a. durch das langsame Tempo, aber auch durch die präsente Kirchenakustik wuchtig und imposant daherkommt, wobei das p am Anfang eher als ein f klingt. Sehr transparent ist sie nicht (aber mit Mayrhofer die einzigen Aufnahmen, auf denen die Kontrabass-Note von T. 48 hörbar ist!), auch nicht wirklich subtil, auch der Chor singt nicht immer präzise - aber die Aufnahme ist packend, hoch dramatisch, fast opernhaft, für eine echte Pompe funèbre, eine "schöne Leich"!

Im Vergleich zu Kerbl ist Fiala noch geringfügig langsamer, auch seine Aufnahme klingt imposant und dramatisch, u.a. durch die dynamischen Kontraste, die Fiala wirkungsvoll einsetzt, Orgel und Streicher machen sich bemerkbar. Der Gesamteffekt ist, anders als bei Kerbl, würdevoll-beherrscht

Mayrhofer hat vermutlich einen semi-professionellen Chor zur Verfügung, der sich aber in punkto Treffsicherheit und Ausdruck mit den professionellen Chören messen kann. Das Libera me klingt bei ihm kraftvoll und heftig, die Orgel ist allerdings nicht gut zu hören.

Ortner hat die deutlich schnellste Einspielung realisiert. Der Chor singt sehr schön und diszipliniert, frasiert schön - luftig-leicht wird hier über den Tod gesungen, und das dürfte nicht jedermanns Sache sein.

Einige andere Einspielungen fallen etwas ab. Knüsels Chor agiert manchmal etwas unsicher und ungleich, liefert dennoch eine beachtliche Leistung; die Dynamik ist sehr klar abgestuft und die Instrumente klingen schön durch. Bei Rühl handelt es sich deutlich um einen nicht-professionellen Chor, dem einige unsaubere Stellen unterlaufen, der nicht sehr subtil in seinen gesanglichen Möglichkeiten ist, aber mit vollem Einsatz und ausdrucksstark singt - der Tod ist eine ernste Angelegenheit! Die Aufnahme unter Welter ist ähnlich langsam wie die von Fiala und Kerbl; der Chor ist nicht professionell, ihm unterlaufen diverse kleine Unebenheiten, und dennoch bleibt die Aufnahme nicht ohne Wirkung, weil Welter den Chor behutsam, ja zurückhaltend singen lässt und so den Ernst des Werkes unterstreicht.



Matthew Best
Corydon Singers, Colin Sheen, Roger Brenner, Phillip Brown (P0saunen), John Scott (Orgel), Olga Hegedus (Cello), Thomas Martin (Kontrabass) 
Aufnahmedatum: P 1986
Aufführungsdauer: 07'20
Ausgaben: CD: Hyperion CDA66599, CDS 44071/3 (CD Nr. 2)

Lucien Coubaillon
Ensemble Choral Cantoria (Domerat)
Aufnahmedatum:
Ausgaben: CD: Ausgabe des Chores (Cantoria)

Bruno Defresne
Les Voix de la Montagne (Montréal)
Aufnahmedatum: 2010
Aufführungsdauer: 06'35
Ausgaben: CD: Ausgabe des Chores (Les Voix de la Montagne

Duncan Ferguson
Choir of St. Mary's Cathedral (Edinburgh), RSAMD Brass, Nicholas Wearne (Orgel)
Aufnahmedatum: 31.5/4.6.2010
Aufführungsdauer: *06'17
Ausgaben: CD: Delphian Records DCD34071
Bem.: Ohne Cello und Kontrbass 

Petr Fiala
Tschechischer Philharmonischer Chor Brno, Jirí Vydra, Jaroslav Zouhar, Pavel Vydra (Posaunen), Martin Jakubícek (Orgel)
Aufnahmedatum: 28./30.1.2006
Aufführungsdauer: *07'24
Ausgaben: CD: MDG 322 1422-2; SACD: MDG 922 1422-6
Bem.: Die Namen des Cellisten und des Kontrabassisten bleiben unerwähnt.

André Fischer
Zürcher Konzertchor, Zürcher Blechbläserensemble
Aufnahmedatum: 15.6.2002 Live (Zürich, Augustinerkirche)
Ausgaben: CD: Ausgabe des Chores (unverkäuflich)

Martin Flämig
Dresdner Kreuzchor, Manfred Zeumer, Hans Kästner, Hans Hombsch (Posaunen), Michael Christfried Winkler (Orgel)
Aufnahmedatum: 1/1985
Aufführungsdauer: *05'23
Ausgaben: LP: Capriccio C 27 099; CD: Eterna 3 29 038, Capriccio 10 081
Bem.: Ohne Cello- und Kontrabassbegleitung

Georg Grün
KammerChor Saarbrücken, Bläser der Kammerphilharmonie Mannheim
Aufnahmedatum: 1./3.2.2008
Aufführungsdauer: *05'08
Ausgaben: CD: Carus 83.414

Robert Jones
Choir of St. Bride's Church, Matthew Morley (Orgel), Simon Wills, Richard Cheetham, Adrian Lane, Steven Saunders (Posaunen)
Aufnahmedatum: 27.-29.1.1994
Aufführungsdauer: *05'43
Ausgaben: CD: Naxos 8.550956
Bem.: Ohne Cello- und Kontrabass-Begleitung

Jürgen Jürgens
Monteverdi Chor Hamburg, Solisten der Camerata Accademica Hamburg
Aufnahmedatum: 28.2./2.3.1985 (Hamburg Altona, Kirche St. Trinitatis)
Aufführungsdauer: *06'13
Ausgaben: CD: Bruckner Archive Series vol. II BSVD-0111 (Music of the St. Florian Period)(erhältlich bei abruckner.com)
Bem.: Zusätzlich zu den 1984 auf LP veröffentlichten Brucknerwerken der St. Florianer Periode unter Jürgens (jetzt auf CD: BSVD-0109) wurden von John Berky einige bisher nicht herausgebrachte Aufnahmen entdeckt und herausgebracht, u.a. auch das Requiem.

Thomas Kerbl
Chorvereinigung Bruckner 09, Kammerchor der Anton Bruckner Privatuniversität Linz, Ensemble Linz, Philipp Sonntag (Orgel)
Aufnahmedatum: 29.9.2009 Live (Linz, Alter Dom)
Aufführungsdauer: *07'09
Ausgabe: CD: LIVA 034 (Anton Bruckner Chöre/Klaviermusik)

Guido Knüsel
Städtischer Konzertchor Duisburg, Mitglieder der Duisburger Philharmoniker, Christian Gerharz (Orgel)
Aufnahmedatum: 2.3.1997 (Duisburg, Mercatorhalle)
Aufführungsdauer: *06'45
Ausgaben: CD: Confido 970720 (zus. mit Te Deum unter Weil)

Luc Laurent
Hortus Musicalis Pellenberg
Aufnahmedatum: 21./22.11.2009 Live (Pellenberg, St. Pieterskerk)
Ausgaben: CD: Ausgabe des Chores (nur chorintern)

Le petit choeur qui bat (ohne Dirigent)
Aufnahmedatum: 4.12.2009 Live (Paris, Chapelle de l'Hôpital St. Louis)
Aufnahmedauer: *04'30
Ausgaben: Video: YouTube
Bem.: Ohne Posaunen und Orgel

Wolfgang Mayrhofer
Linzer Jeunesse Chor, Christian Peutinger, Martin Riener, Andreas Schiffler (Posaunen), Renate Reichl (Orgel), Lisa Rescheneder (Cello), Peter Harringer (Kontrbass)
Aufnahmedatum: 5./6.3. + 4./5.11.2005
Aufführungsdauer: *06'17
Ausgaben: CD: Ausgabe des Chores (Tota pulchra)

Wolfgang Mayrhofer
Linzer Jeunesse Chor, Bläser des Linzer Musikgymnasiums, Wolfgang Kreuzhuber (Orgel)
Aufnahmedatum: Live Kammermusikfestival Bad Ischl 2005/2006
Aufführungsdauer: 06'15
Ausgaben: CD: Kulturland Oberösterreich (Winterlandschaft)

Gilles Michels
Utrechts Studentenkoor en Orkest USKO
Aufnahmedatum: 24.6.2017 Live Utrecht Jacobikerk
Aufführungsdauer: *05'28
Ausgaben: Video: YouTube
Bem.: Der Generalbass ist nicht hörbar.

Erwin Ortner
Arnold Schoenberg Chor, Ensemble Tonus, Jan Petryka (Cello), Peter Planyavsky (Orgel)
Aufnahmedatum: 11/2008
Aufführungsdauer: *04'22
Ausgabe: CD: Ausgabe des Chores (Anton Bruckner Tantum ergo)

Johannes Rühl
Capella Kreuzberg, Blechbläser der Deutschen Oper Berlin und des Deutschen Sinfonie-Orchesters, Laura Ulrich (Orgel), Jens Niermann (Cello), Florian Pachaly (Kontrabass)
Aufnahmedatum: 12./13.6.1999 Live (Berlin, St. Paulus/Moabit, Hl.-Kreuz/Kreuzberg)
Aufführungsdauer: *05'54
Ausgaben: CD: Ausgabe der Capella Kreuzberg (Anton Bruckner zum 175. Geburtstag)

Berthold Schwarz
Bläser der Evangelisch-Methodistischen Kirche Gebersheim
Aufnahmedatum: P 1991
Fassung/Partitur: Bearbeitung für Bläser
Aufführungsdauer:
Ausgaben: Kass: RM 6384

Lionel Sow
Choeur de Filles Caecilia, Maîtrise des Petits Chanteurs de Saint-Christophe de Javel (Paris), Jean-François Hatton (Orgel)
Aufnahmedatum: 7/2004 (Collégiale Saint-Hyppolyte de Poligny)
Aufführungsdauer: *07'14 
Ausgaben: CD: Studio SM Collection Blanche D3029 (Johannes Brahms - Anton Bruckner Jardins secrets)
Bem.: Nur mit Orgelbegleitung; das "Requiem" wird konsequenterweise - an der betreffenden Stelle heißt es in der Partitur: "Violoncello, Kontrabaß und Orgel tacent" - a cappella gesungen. 

Gerry Welter
Chorale Saint Michel (Luxembourg), Ensemble „Les Musiciens" (Luxembourg), Alain Wirth (Orgel)
Aufnahmedatum: 2.11.1996 Live (Luxemburg, Eglise Saint Michel, Allerseelenkonzert)
Aufführungsdauer: *07'17
Ausgaben: CD: Flash Compact Editoun FCE 208/005 (Allerséilen-Concert '96)
Bem.: Anscheinend Kammerorchesterbesetzung anstelle von Cello und Kontrabass; ohne Orgel?

Hans Zanotelli
Philharmonia-Chor Stuttgart, Manfred Hug (Orgel), Wolfgang Czelusta, Klaus Bäuerle, Peter Redwig (Posaunen), Cello und Kontrabass: unbekannt
Aufnahmedatum: 6./7.4.1979
Aufführungsdauer: *04'08
Ausgaben: LP: Calig CAL 30 477 (P 1980); CD: Calig CAL 50477, Hänssler Profil PH07002, Hänssler Profil PH 13007 (Anton Bruckner - The Collection, 20 CD, vol. 11)
Bem.: Möglicherweise Kammerorchesterbesetzung für Kontrabass und Cello. - Die Hänssler-CD führt das Werk als WAB 21 auf, mit falscher Tonart und falscher Besetzung.