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Neuheiten / New issues

Neuheiten / New issues

 

Auf dieser Seite sollen regelmäßig Neuerscheinungen auf dem Gebiet von Bruckners Vokal- und Instrumentalmusik angezeigt werden. Detaillierte Angaben findet man in der Diskografie unter dem jeweiligen Werk.
 


Charles Münch mit dem Te Deum
Bei dem sympathischen kleinen französischen Label forgotten records, das sich auf die Digitalisierung alter Aufnahmen spezialisiert hat, ist vor einiger Zeit eine CD mit dem Te Deum Anton Bruckners und der Messe de Requiem Gabriel Faurés erschienen. Es handelt sich um einen Rundfunk-Mitschnitt aus Münchs amerikanischer Zeit beim Boston Symphony Orchestra. Münch war kein passionierter Bruckner-Dirigent (es gibt allerdings noch eine Rundfunk-Aufnahme aus dem Anfang der 50er Jahre, ebenfalls aus Boston, mit Bruckners Siebenter), das Te Deum mag eher ein Lückenbüßer neben dem Werk von Fauré gewesen sein. (http://www.forgottenrecords.com)

Die RIAS-Aufnahmen des Amadeus Quartet: auch Bruckners Streichquintett
Das Label Audite, das sich bereits mit sensationellen Restaurierungen historischer Aufnahmen hervorgetan hat (u.a. Furtwänglers RIAS-Aufnahmen), bringt die in den Berliner Archiven schlummernden Aufnahmen des Amadeus Quartet heraus. Neulich ist die fünfte Box Romanticism mit sechs CDs erschienen, und zwar zu einem moderaten Preis. Neben u.a. Brahms, Grieg, Verdi ist auch Bruckners Streichquintett vertreten, in einer Aufnahme vom 29.11.1953; es ist somit die älteste der drei jetzt bekannten Aufnahmen - und die schnellste: die "offizielle" DG-Aufnahme von 1964 braucht 2½ Minuten mehr.

Bruckner-Aufnahmen aus Ansfelden
In Bruckners Geburtsort Ansfelden wird viel musiziert. Davon legt eine CD Zeugnis ab, die zwar bereits 2010 zustande kam, die aber, weil sie nicht im offiziellen Vertrieb erhältlich ist, mir erst jetzt in die Finger geriet: So klingt's bei uns in Ansfelden. Sie enthält Volksweisen, Gospel, moderne liturgische Gesänge, aber auch klassische Musik: Händel, Froberger, Arcadelt - und selbstverständlich auch einige kleine Bruckner-Werke, nämlich seinen Chral und das Andante d-Moll. Diverse Ansfelder Interpreten und Ensembles, die im Beiheft vorgestellt werden, liefern ihren Beitrag, und man staunt, dass ein 16.000-Einwohner-Städtchen (zu Bruckners Lebzeiten waren's etwa 2000) eine solche Vielfalt in solcher Qualität auf die Beine bringen kann! Bei manchen Werken kann man nur schmunzeln - etwa bei der traditionellen Tanzmusik, zu der auch Bruckner, als er noch lange kein Professor war, aufgespielt haben könnte, oder bei der Bearbeitung von Verdis Sklavenchor als Walzer (als "Volksweise" bezeichnet!), oder bei der Marschmusik. Auch aufnahmetechnisch ist die CD (mit 70 Minuten Musik gut gefüllt) sehr gelungen.
Aktueller ist dann der Hinweis auf eine zweite CD aus Ansfelden, im Sommer 2016 aufgenommen; sie nennt sich cum psalmis et organo und bringt Chor- und Orgelmusik von der Gregorianik bis ins 19. Jahrhundert. Bruckner ist mit zwei Orgelwerken (Perger Präludium und Nachspiel d-Moll) und einer Motette (Iam lucis orto sidere) vertreten, sowie auch sein Lehrer Sechter und sein St. Florianer Nachfolger Traumihler. Die CD versucht eine Rekonstruktion der möglichen historischen kirchenmusikalischen Praxis in Ansfelden (und vermutlich im süddeutschen Raum überhaupt), bei der sich Orgel- und Chorwerke während des Gottesdienstes abwechselten; das informative Beiheft geht auf diese Tradition ein. Die Ansfelder Kirche verfügt über eine neulich restaurierte Breinbauer-Orgel aus 1864. Der Dirigent ist Matthias Giesen (der auch als Solist zu hören ist), Organist ist Andreas Etlinger.
Beide CDs gibt es noch im Doppelpack für € 25 bei der Pfarre Ansfelden, Ansfeldner Straße 11, A-4052 Ansfelden; e-Mail: pfarre.ansfelden@dioezese-linz.at; IBAN: AT61 2032 0172 0031 3307. (12.12.2016)

Bruckners Te Deum beim Mainzer UniChor und UniOrchester
Das Collegium Musicum der Mainzer Johannes Gutenberg-Universität hat die CD eines Konzertmitschnitts mit Werken von Bruckner (Te Deum), Brahms (Akademische Festouvertüre und Gesang der Parzen) und Liszt (Les Préludes) herausgebracht; man kann die CD online auf www.collegium-musicum.uni-mainz.de für 12 € plus Portokosten bestellen. Die beiden semi-professionellen Ensembles und die professionellen Solisten sichern ein hohes musikalisches Niveau, der Klang ist ausgezeichnet, und an dem Beiheft könnten sich die großen Label ein Beispiel nehmen. Das Te Deum zeichnet sich durch einen energischen Zugriff aus. (28.9.2016)

Reger und seine Zeit
Nur bedingt eine Bruckner-Neuerscheinung ist die CD Reger und seine Zeit (Reger and his contemporaries), die der Berliner Chor Opus Vocale unter Volker Hedtfeld auf MDG 902 1959 herausgebracht hat. Die CD, die zum hundertsten Todestag Max Regers erscheint, porträttiert Reger gegenüber seinen etwas älteren Zeitgenossen Brahms und Bruckner und dem jüngeren Schönberg, wobei das Schwergewicht natürlich auf geistlichen Werken Regers liegt - von den 18 aufgenommenen Werken ist Bruckner nur mit zwei Motetten vertreten, Christus factus est und Ave Maria. Der (professionelle?) Chor pflegt einen sehr durchsichtigen Klang und strebt nach einer sauberen Intonation und überlegten Phrasierung, bei der er viele Abstufungen hören lässt; man ist deutlich bereit, auf hohem Niveau Risiken einzugehen. Die Interpretationen wirken manchmal atemberaubend, aber auch etwas unterkühlt. (23.9.2016)

E-Moll-Messe unter Goodall?
Holger Bünte-Majoor hat mich darauf hingewiesen, dass Richard Goodall am 22.8.1961 während eines Prom-Konzertes Bruckners Zweite Messe in e-Moll aufgeführt hat. Das war also vor fast einem Menschenleben. Die BBC hat einige von Goodalls legendären Aufführungen von Bruckner-Symphonien auf CD herausgebracht, aber von dieser Messe war bisher nicht die Rede. Wie andere Rundfunkgesellschaften auch soll sogar die BBC Tonbänder, die man für weniger relevant ansah, gelöscht haben - weiß jemand von einem Mitschnitt dieses Konzertes?  (17.9.2016)

Streichquintett in der Bearbeitung von Michael Erxleben
Es sind diverse Bearbeitungen des Streichquintetts im Umlauf; Erxlebens neue Bearbeitung weiß der bekannten Partitur einige neue Seiten abzugewinnen, vor allem im Adagio überraschen einige bisher nichtn gehörte Klangmischungen, Dissonanzen werden scharf herausgearbeitet. Die Aufführung kling nicht romantisch-voll, sondern zeichnet sich durch einen hellen, manchmal fragil wirkenden Klang aus. Besonders fällt das auf im Adagio, das zügig und agil gespielt wird, mit einem besonders heftigen Mittelteil. Kombiniert wird das Streichquintett mit Samuel Barbers berühmtem Adagio for strings. Das Beiheft weiß zu berichten, dass Bruckner den angeblich ursprünglichen zweiten Satz, das Intermezzo, gegen das neuere Scherzo ausgetauscht hätte - die Forschung weiß es besser. (17.9.2016)

Geistliche Chormusik unter Jochum neu aufgelegt
Die berühmte 4CD-Box mit Jochums Aufnahmen der wichtigsten Sakralwerke Anton Bruckners erscheint bei DG neu unter Nr. DG 289 4796 1970 für knapp 6 € pro CD (Collectors Edition). Sie enthält sozusagen die Werke, die früher das Brucknersche Standardrepertoire ausmachten: die drei Hauptmessen, das Te Deum, den 150. Psalm und zehn Motetten, und zwar in Aufnahmen, die Standards gesetzt haben und die diese Anthologie noch immer relevant erscheinen lassen. Zwar bietet Bests Anthologie aus den 1980ern einige Werke mehr, aber abgesehen davon, dass Best teurer ist, ist Jochum eine der großen Bruckner-Ikonen - am besten ist, man hat beide. (27.8.2016) von

Zweimal Streichquintett
Einerseits ist da eine WDR-Aufnahme des Bartholdy Quintetts, das für den Kölner Sender Bruckners Streichquintett und das Fragment gebliebene (oder fragmentarisch erhaltene) Streichquintett von Zemlinsky gespielt hat, die nun zusammen auf einer CAvi Music-CD erschienen sind, andererseits ist eine neue Aufnahme des Streichquintetts in der Bearbeitung für Streichorchester angekündigt worden, und zwar vom Berliner Konzerthaus Kammerorchester bei CuGate Classics; es handelt sich um eine neue Bearbeitung von Michael Erxleben. (20.8.2016)

Online-Noten: IMSLP
Ein nicht-diskografischer Hinweis: IMSLP hat in letzter Zeit sein Angebot an herunterladbaren Noten und sogar Partituren von Bruckner-Werken enorm erweitert. Bei den bekannten größeren Werken (Messen, Requiem, Streichquintett) handelt es sich um Erstdruckausgaben, die öfters größere oder kleinere Eingriffe von fremder Hand enthalten aber dennoch einen Eindruck von dem betreffenden Werk vermitteln; in anderen Fällen betrifft es oft anonyme Ausgaben, und in einigen Fällen wird ein Link zu dem Manuskript einer Reinschrift geboten, die, wie im Fall von z.B. Psalm 146,  eine durchaus brauchbare Alternative zu einer gedruckten Partitur darstellt. Der Link: http://imslp.org/wiki/Category:Bruckner,_Anton (8/2016)

Schallers Bruckner-Zyklus: Vokal- und Orgelwerke
Gerd Schallers Ebracher Bruckner-Zyklus wächst kontinuierlich: Nach den Live-Aufnahmen der Symphonien, die alle bei Hänssler Profil erschienen sind, wurden im vergangenen Jahr in Ebrach die Messe f-Moll und der Psalm 146 aufgeführt. Beide Werke passten allerdings nicht auf eine CD, und so wurde die CD-Ausgabe um Bruckners Orgelwerke ergänzt, wobei die Präludien Es-Dur (WAB 127-128), deren Autorschaft Bruckners zweifelhaft ist, ausgelassen wurden. Entstanden ist so eine CD-Ausgabe mit hohem Repertoire-Wert, denn von dem Psalm 146 gibt es bisher nur eine einzige wenn auch gute Aufnahme, nämlich von Wolfgang Riedelbauch, auf einer LP aus 1972 - eine Aufnahme, die also über vierzig Jahre alt und nur als US-Reprint auf CD lieferbar ist. Die neue Aufnahme unter Schaller füllt deshalb eine Lücke, besonders weil sie sowohl musikalisch wie aufnahmetechnisch hohe Ansprüche erfüllt. Für die Orgelwerke gilt Ähnliches: Auch hier datieren die meisten Gesamtaufnahmen aus den 1970er Jahren, Horns Einspielung aus 1990 - auch hier war eine Neuausgabe mehr als fällig! Schaller spielt die historische große Orgel der Abteikirche Ebrach, wobei er deren Registrierungsmöglichkeiten einsetzt um eine Brücke zu Bruckners symphonischem Werk mit seiner typisch dunklen Klangfarbe zu schlagen; auf diese Weise vermitteln die Werke einen ganz anderen Eindruck als z.B. bei Horn! Aus all diesen Gründen eine hoch interessante Ausgabe! Auf die Aufnahme der Messe komme ich demnächst zurück. (CD: Hänssler Profil HP16034, 2 CD) (6.+23.5.2016)

DG The Mono Era: Bruckner
DG hat eine große Sammelbox mit 51 CDs herausgebracht, mit der sie ihre Nachkriegsaufnahmen 1948-1957 - teilweise erstmals ! - als CD herausbringt. Darunter auch zwei Aufnahmen, die für diese Diskografie relevant sind: die Aufnahme von Bruckners Streichquintett durch das Koeckert Streichquartett (mit Georg Schmid an der zweiten Bratsche) aus 1952 und die erste Einspielung Jochums von Bruckners Te Deum aus 1950 - beides renommierte Aufnahmen, aber wohl kaum einer wird nur deshalb die Box anschaffen wollen. Wer aber die berühmten Aufnahmen der ersten LPs der 1950er/1960er Jahre aus dem DG-Katalog (noch) einmal erleben möchte, der sollte hier - für knapp 100 € (deutscher Preis) - zugreifen! (11.4.2016)

Eine Aufnahme der Choralmesse unter Manuel Serrano Cuenca???
Auf Spotify kursiert eine etwas rätselhafte Aufnahme der Choralmesse: Als Dirigent wird der mir unbekannte Manuel Serrano Cuenca angegeben, und als Ensemble figuriert das ebenso unbekannte und vermutlich real nicht existierende Orquesta Filarmónica Peralada - noch abgesehen davon, dass man selbstverständlich nicht ein Orchester zu hören bekommt, sondern einen Chor mit Orgelbegleitung, wie es sich für die Bearbeitung der Messe gehört. Im Internet ließ sich die Aufnahme bisher nicht genauer ermitteln; auf dem CD-Cover erscheint die Aufschrift "Classic Jewelry - Bruckner & Franck". Die Rechte liegen bei einer möglicherweise auch ominösen Firma Naimara Producciones in Spanien. Eine erste Prüfung der Aufnahme legt die Vermutung nahe, dass es sich um die Aufnahme unter Claessen handelt, die auch sonst als Download im Internet kursiert. Das Phänomen das untergeschobenen und sogar nicht existenten Dirigenten ist auch bei Bruckners symphonischen Oeuvre bekannt - etwa Adolf oder Lizzio oder Rubahn oder Scholz... (6.4.2016)

Bruckners Motetten - für Gitarre?
Diverse online-Medienanbieter (u.a. amazon) bieten für etwa 5 € eine Auswahl von zehn Motetten an, die der französische Gitarrist Noël Akchoté auf seinem Instrument eingespielt hat; vermutlich stammen auch die Bearbeitungen von seiner Hand. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von Bearbeitungen von Bruckner-Motetten, meistens für Blechbläserensembles, und manche von ihnen vermitteln einen recht guten Eindruck davon, wie die Komposition "in echt" klingen könnte, wie etwa die Septura-CD zeigt (s. weiter unten bei 17.8.2014). Es ist aber mehr als vermessen, die Vielstimmigkeit dieser Motetten einem einzelnen Instrument - eben der Gitarre - anzuvertrauen, und leider stellt sich beim 'blinden' Hören (man verzeihe mir das ungewöhnliche Bild) von Akchotés Bearbeitungen heraus, dass manche von ihnen unkenntlich geworden sind - und außerdem werden sie in Rekordzeit abgehaspelt, oft in weniger als die Hälfte der "normalen" Auffführungsdauer (Tota pulchra es z.B. dauert knapp 01'50!), zwar virtuos, aber eben weit von der Aussagekraft der Motetten selbst entfernt. Überflüssig also (4.4.2016)

Cornelius Meister und die Messe Nr. 3
Cornelius Meister, Dirigent  des Wiener Rundfunkorchesters und Shooting Star der Wiener Musikszene hat 2014 Bruckners Neunte und 2015 Bruckners f-Moll-Messe in Konzerten aufgeführt. Jetzt sind diese Live-Mitschnitte als Doppel-CD beim Label Capriccio erschienen. Man kann nicht behaupten, dass beide Aufnahmen eine Lücke im Bruckner-Repertoire schließen würden, so dass es hier auf die Qualität der Aufnahmen ankommt. Die Presseaufnahme war gespalten.
 

Karajans Aufnahme der Messe Nr.2
Bruckners Vokalmusik spielt, sieht man einmal von dem Te Deum ab, in Karajans Diskografie keine Rolle; in Richard Osbornes Karajan-Biografie werden die Messen nicht erwähnt, ebensowenig die Motetten. 1975 führte Karajan allerdings während der Salzburger Festspiele die 2. Messe auf, und von diesem Konzert hat ein Live-Mitschnitt überlebt. Bisher gab es den nur in einer primitiven Ausgabe des amerikanischen Piratenlabels Disco Archivia, das auch das Programm vor der Pause enthielt: vier Motetten unter Froschauer. Jetzt hat sich ein anderer Pirat der Aufnahme angenommen: World Express veröffentlichte dieselben Werke - hat womöglich sogar die ältere Ausgabe als Quelle benutzt. Dass der Klang als "very good" angegeben wird, ist mit einer Prise Salz zu nehmen; "akzeptabel" entspräche eher der Wahrheit. Es handelt sich aber um ein historisches Dokument ersten Ranges: Man folgt gebannt Karajans Interpretation und vergisst die mäßige Technik. Den ersten Teil des Konzertes überließ Karajan dem damaligen Dirigenten des Wiener Singvereins Helmut Froschauer, mit dem er in Wien bereits öfter zusammengearbeitet hatte. Die Ausgabe ist in Europa vermutlich nicht erhältlich; man wende sich am besten an John Berky (abruckner.com).

Psalm 146 und Messe Nr. 3
Gerd Schallers Bruckner-Zyklus bei Profil neigt sich ihrem Ende zu. Neben der f-moll-Symphonie wurden Im vergangenen Herbst in Ebrach der Psalm 146 und die Messe Nr. 3 aufgeführt und gesendet und sollen demnächst als Live-Mitschnitte erscheinen. Bei der f-Moll-Messe ist die Konkurrenz natürlich überwältigend, aber der Psalm 146 füllt eine Lücke in der Diskografie: Die alte LP-Aufnahme von Riedelbauch, jahrzehntelang die einzige am Markt, gibt/gab es nur als amerikanische Klassichaus-CD, eine neuere Aufnahme ist dringend gewünscht. (14.11.2015)

Motetten von Bruckner und Brahms durch Tenebrae
Der renommierte englische Chor Tenebrae hat bei Signum Records eine CD mit Motetten von Brahms und Bruckner herausgebracht. (12.11.2015)
 

Fitzwilliam Quartet mit Streichquintett und Streichquartett
Beim Label Linn Records (CKD 402) erschienen Bruckners Streichquartett und sein Streichquintett mit dem Intermezzo - endlich: Die Aufnahmen stammen aus 2010/2011 und waren bereits lange angekündigt, aber es fand sich kein Label bereit, sie herauszubringen, so dass private Sponsoren gefragt waren. Die gab es auch, so konnte jetzt die CD erscheinen. (12.11.2015)

Ormandy und Bruckner
Ormandy ist jahrzehntelang in Europa als Dirigent von schmissigen Orchesterstücken verkannt worden: Er wurde assoziiert mit den Evergreens des Orchesterrepertoires vor allem des 19. Jahrhunderts. Dass Ormandy nicht nur ein Perfektionist in diesem Repertoire war, sondern auch andere Aufnahmen gemacht hatte, entzog sich oft der Werbung. Dass Ormandy LP-Aufnahmen von Bruckners Vierter, Fünfter und Siebenter Symphonie gemacht hatte, wurde kaum zur Kenntnis genommen, obgleich sie es bis zur CD-Ausgabe schafften - seine Aufnahme von Bruckners Te Deums, ursprünglich als vierte LP-Seite an die Fünfte Symphonie gekoppelt, verschwand in der Versenkung, als die Fünfte es auf nur eine CD schaffte. Sony hat jetzt auf dem japanischen Markt eine Doppel-CD mit Beethovens Missa solemnis und Christus am Ölberge und mit Bruckners Te Deum herausgebracht (Sony SICC-1956). Ormandys Interpretation wird im Te Deum-Abschnitt dieser Diskografie besprochen; die Sony-CD kann u.a. über John Berky (abruckner.com) bestellt werden.  (12.11.2015)

Bisher unbekanntes Bruckner-Lied entdeckt
Forscher des Anton Bruckner Instituts Linz (ABIL) haben nach Mittelung des ORF vom 8.6.2015 im Oberösterreichischen Landesmuseum ein bisher unbekanntes kleines Lied von Anton Bruckner entdeckt, das um 1850 entstandene Mondabend, das Bruckner für Luise Bogner schrieb. (9.6.2015)

Erneut ein "Bruckner Unknown"von Ricardo Luna angekündigt
Folgende Pressemitteilung ist für alle, die an bisher nicht-eingespielten Bruckner-Werken interessiert sind, von großem Interesse:
"2013 ist die CD „Bruckner Unknown“ von Ricardo Luna mit Ersteinspielungen, Transkriptionen und Rekonstruktionen unvollendeter Werke, die er für Kammerorchester bearbeitet hat, bei Preiser Records erschienen. Erweitert wird diese CD jetzt unter anderem durch das nachgelassene Kyrie in Es-Dur WAB 139, das Kyrie in g-Moll WAB 140 das Requiem in d-Moll WAB 141, das erste Trio in A-Dur zum Scherzo der Nullten Symphonie sowie mit weiteren Skizzen aus dem „Kitzler-Studienbuch“. Diese Aufnahmen werden voraussichtlich 2016 erscheinen."
Ricardo Lunas erste CD mit unbekannten Brucknerwerken stieß in der Musikfachwelt auf großes Interesse; da wo sich die etablierten Interpreten größtenteils oder völlig auf mehr oder weniger Vertrautes beschränken, hatte hier ein Musiker Unbekanntes zu Tage gefördert - und die jetzt angekündigte CD setzt diese "Ausgrabungsarbeit" fort. Daneben hat Ricardo Luna in den vergangenen Jahren mit seinem Chor zur Genüge bewiesen, dass auch das große Repertoire bei ihm in guten Händen ist. (4.6.2015)

Zehetmair Quartett gerät unter die 'Piraten'
John Berky hat mich darauf hingewiesen, dass ein Konzertmitschnitt von Bruckners Streichquartett durch das Zehetmair Quartett jetzt auf dem Piratenlabel GNP erschienen ist. Die Aufnahme ist vom März 2010 und stammt also vermutlich von der Konzerttournee, die das Quartett vor ihrer offiziellen ECM-Aufnahme absolvierte. Die CD wird in Europa wegen Copyrightbestimmungen kaum lieferbar sein.

Motetten aus Bratislava - leider "not for sale"
In manchen Fällen dauert es lange, bis eine Aufnahme an die Öffentlichkeit gerät; oft etwa weil es keine Werbung gibt, manchmal aber auch, weil die Öffentlichkeit aus irgendeinem Grund ausgeklammert wird. Dies scheint der Fall zu sein mit einer CD, auf der die slowakische Chordirigentin Blanka Juhanáková zehn bekannte Motetten von Bruckner und eine Missa brevis von Gounod eingespielt hat, und zwar bereits 2009. Es ist eine Studio-Aufnahme, technisch ausgezeichnet, und auch die Aufführung der betreffenden Werke ist ebenfalls ausgezeichnet. Das slowakische Ministerium für Kultur hat damals die Ausgabe mitfinanziert - eine wunderbare "Visitenkarte" für den Chor und für das Ministerium - aber leider darf die CD deshalb nicht verkauft werden. Das ist in diesem Fall sehr schade, denn die Aufnahmen sind ausgezeichnet: Hier singt ein größerer professioneller Chor von etwa 75 Sängerinnen und Sängern mit einem eigenen ausgefeilten Klang, in dem das Vibrato noch nicht als 'altmodisch' verteufelt und ausgerottet worden ist. Dieser Chor singt im Gegenteil mit einem sehr beherrschten und dadurch schönen Vibrato und besitzt eine große klangliche Flexibilität, wirkt aber trotz seiner Größe nirgendwo massiv, sondern eher schlank und kultiviert. Der Chor tritt öfters bei westlichen Konzert- und Opernprojekten auf unter großen Dirigenten, aber Bruckner gibt es bisher leider nur auf dieser bisher unbekannt gebliebenen CD...

Bruckner-Motetten aus Südtirol
Das in Südtirol beheimatete Vokal- und Instrumentalensemble "Musica Saeculorum" unter seinem Dirigenten Philipp von Steinäcker plant offenbar Großes: laut Website will es alle Motetten von Bach und von Bruckner aufnehmen. Vorläufig ist eine Bruckner-CD mit dem Titel Pange lingua. Motetten erschienen, ein Konzertmitschnitt, der im vergangenen Herbst im ORF zu hören war. Das Booklet ist geschmackvoll gestaltet, die Einführung von der Hand Steinäckers ist informativ, und das Programm ist interessant: Der Bogen spannt sich chronologisch von der 1. Fassung des Pange lingua C-Dur (von dem es bisher keine kommerzielle Aufnahme gab!) bis zur letzten von Bruckner vollendeten Motette Vexilla regis", und dazwischen liegen zwar auch einige der bekannten Motetten, aber auch seltener eingespielte Werke. Warum man sich aber mit einem Programm von nur gut 48 Minuten zufrieden gegeben hat, anstatt noch mehr unbekannte Leckerbissen aufzutischen, ist rätselhaft, zumal während des Konzertes noch drei weitere Motetten zu hören waren (darunter allerdings das frühe Tantum ergo D-Dur ohne die vorgeschriebene Orgelbegleitung). Ansonsten kann man dem Chor viel Lob spenden: Die sechzehn Mitglieder des Chores singen sehr transparent, mit großem technischen Können, lassen sich kaum Ungenauigkeiten zuschulden kommen, und ihr Stil besicht durch präzise Artikulation und Dynamik. Wird die Website ihr Wort halten? (9.3.2015)

Was wäre gewesen wenn...
... die großen deutschen Romantiker Brahms, Bruckner, Mendelssohn und Schumann Werke für Blech-Septett geschrieben hätten? So fragen sich die künstlerischen Leiter des Septura Blech-Septetts in ihrem Booklet zu einer bei Naxos erschienenen CD Music for Brass Septet - und geben die Antwort selbst mit Bearbeitungen von kleineren Orgel- und Chorwerken der oben genannten Komponisten; nur bei Bruckners Aequali handelt es sich um Werke in Originalbesetzung. Bei Septura handelt es sich nicht um eine 'gewöhnliche' Brassband, sondern um eine kleine Gruppe exzellenter Solisten, und auch wenn man Bearbeitungen nicht denselben Rang zuspricht wie Originalfassungen, muss man hier doch dem Können und künstlerischen Fingerspitzengefühl dieser sieben Musiker Reverenz erweisen. Wenn wir uns auf Bruckner beschränken: Neben den beiden Aequali sind noch vier Motetten vertreten. Es handelt sich um Bearbeitungen durch drei verschiedene Musiker, und das merkt man: Das Locus iste klingt hier schwer, dunkel und imposant, während das Christus factus est und das Ave Maria (WAB 6) viel heller wirken, während man zumindest beim Christus factus est anderes hätte erwarten können! Das ist dann die Wahl des jeweiligen Arrangeurs. Beim Ave Maria können einem unerwartete Assoziationen kommen: Die Bearbeitung - siebenstimmig wie das Original - lässt eine gewisse Verwandschaft mit Wagners Parsifal anklingen, obgleich Wagner erst anderthalb Jahrzehnte später mit der Komposition anfing. Der Klang der Aufnahmen ist ausgezeichnet, das Booklet ist knapp aber instruktiv, der Preis kaum schlagbar. (17.8.2014)

Robert Shewans Bruckner-LP
1983 erschien in den USA eine historische LP, die ein Programm mit ausschließlich kleinen Chorwerken Anton Bruckners bot, vor allem Motetten, aber auch einige weltliche Chorwerke. Es war die erste Ausgabe dieser Art in den USA. Acht Jahre später nahm Shewan dann mit demselben Chor - dem Roberts Wesleyan College Chorale - eine CD mit in etwa demselben Repertoire auf, um einige andere Werke erweitert. Die LP ist jetzt, anhand der originalen Tonbänder sorgfältig remastered, als CD erschienen und beweist deren gute Klangqualität: Die Aufnahmen klingen jetzt weniger scharf und voller und haben mehr Présence. Das Beiheft enthält jetzt einen Essay von John Proffitt, in dem dieser die aufgeführten Werke nicht nur an Bruckners Biografie festmacht, sondern auch ihre Verwandschaft mit Bruckners symphonischem Oeuvre knapp umreißt und das zeit- und kulturgeschichtliche Umfeld andeutet. Leider hat man vermutlich aus Platzmangel auf Angaben zur Originalaufnahme (etwa Aufnahmedatum und Aufnahmeort) verzichtet und auch die Solisten in dem Ave Maria WAB 5 unerwähnt gelassen. (Anton Bruckner, Sacred und Secular Choral Music. Roberts Wesleyan College Chorale, cond. Robert Shewan. HDTT High Definition Tape Transfers). (1.8.2014)

Streichquintett durch das Amadeus Quartett - ein frühere Aufnahme als Download
Bei diversen Anbietern von (bezahlten )mp3-Downloads (Classicsonline, Presto Classical, E-music) wird jetzt eine SWR-Ausgabe (SWR music 10090) des Amadeus Quartetts mit Streichquintetten von Beethoven (Opus 29), Mozart (Opus 614) und Bruckner zum Herunterladen angeboten; eine CD-Ausgabe existiert (bisher?) nicht. Im Falle von Bruckner handelt es sich um eine Studioaufnahme des Südwestfunk vom 15.12.1957 (Angaben vom SWR). Diese frühere Aufnahme ist etwas schneller als die 'klasssische' DG-Aufnahme. (26.6.2014)

Die Messe Nr. 3 unter Ticciati
Im April hat der junge englische Dirigent Robin Ticciati - der bereits als der "englische Dudamel" gehandelt wird, im Rahmen einer Zusammenarbeit zwischen den Bamberger Symphonikern und dem Bayerischen Rundfunk Bruckners Messe in f-Moll sowohl in Bamberg wie in München aufgeführt; das Konzert in Bamberg wurde vom Bayerischen Rundfunk aufgezeichnet und auf Bayern 4 Klassik gesendet. Jetzt hat das Schweizer Label Tudor die Aufnahme auf CD herausgebracht. (5/2014)

Werke für Männerchor: Bruckner und seine Zeit und Im Denken treu, im Liede deutsch
Aufnahmen, die bei kleinen Labeln erscheinen, laufen Gefahr, unbemerkt zu bleiben; manchmal sind sie regional oder sozial gebunden und fallen außerhalb ihres Kreises nicht auf. Das ist z.B. der Fall bei zwei CDs des Labels disc-lazarus mit Live-Mitschnitten, die mir ein glücklicher Zufall in die Hände spielte. Wie aus Bruckners Biografie bekannt, war der Komponist dem Wiener Akademischen Gesangverein, einem in Wien damals sehr beliebten und großen Chor, eng verbunden, unter anderem weil sein Freund Rudolf Weinwurm dessen erster Chormeister war. Bruckner widmete dem Chor einige Kompositionen, dirigierte ihn auch diverse Male selbst. Später änderte der Chor seinen Namen, jetzt heißt er "Universitätssängerschaft Barden zu Wien". Der Chor ist noch immer aktiv und auch sehr traditionsverbunden - und zwar den Werten der deutschen Kultur. Das kommt auch in ihrem jetzigen Repertoire zum Ausdruck, das u.a. deutsch-patriotische Lieder des 19. Jahrhunderts, aber auch sonstiges romantisches Liedgut umfasst. Im Brucknerjahr 1996 hat der Chor ein Konzert veranstaltet unter dem Titel Anton Bruckner und seine Zeit; auf dem Programm standen "Chorlieder aus der Zeit Anton Bruckners" (neben Bruckner z.B. Mendelssohn, Goldmark, Brahms, Wagner, Reger), "Lieder aus Bruckners studentischem Umfeld" und, "zum Gedenken an den 100. Todestag Anton Bruckners", die Urfassung in Moll von Gaudeamus igitur - was Sinn macht, wenn man bedenkt, dass Bruckner zu Lebzeiten bei den Studenten aus geistig-kulturellen Gründen sehr beliebt war. Es handelt sich bei den 'Barden' also um einen Männerchor, der die alte akademische Tradition hochhält. Man muss von ihm keine lupenreine Präsentation erwarten - schließlich handelt es sich um einen Amateurchor, dem die Begeisterung für den Gesang allerdings anzuhören ist. Die CD bekommt ihren Reiz durch das Programm, das die Welt Anton Bruckners zum Klingen bringt. Von Bruckner erklingen Trösterin Musik, Germanenzug (mit Bläserensemble), Sängerbund und - vom Programm her eher unerwartet - Locus iste. Die beiden ersten Titel sind traditionell mit dem Akademischen Gesangverein verbunden, weil dieser die Uraufführung bzw. die erste Aufführung in Wien sang, der dritte Titel - dessen nationalistischer Text Stirnrunzeln hervorrufen dürfte, aber für die Zeit durchaus charakteristisch ist - ist als CD-Premiere eine kleine Sensation! Leider sind gerade bei diesem Werk die 2. Bässe etwas schwach auf der Brust. Ansonsten vermittelt die CD durch die Ausstrahlung ihrer Darbeitungen vermutlich sehr präzise das Ambiente der Männerchöre und Liedertafeln, in dem Bruckner wirkte und das so charakteristisch für die Chorkultur in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und darüber hinaus ist. Die CD bietet über 70 Minuten Chormusik, der Klang ist sehr natürlich eingefangen, nur hat der Festsaal des Bezirksmuseums in der Wiener Josefstadt, wo das Konzert am 18.5.1996 stattfand, anscheinend eine etwas trockene Akustik, an die man sich aber gewöhnt. Die CD ist noch lieferbar. Von dem Chor gibt es insgesamt etwa ein Dutzend CDs, von denen für Bruckner-Afficionados auch eine andere mit Archivaufnahmen unter dem Titel Im Denken treu, im Liede deutsch noch interessant sein könnte; auf ihr ist ebenfalls Germanenzug (mit Klavierbegleitung) und Trösterin Musik und außerdem traditionelles (deutsch-nationales) Studentenliedgut enthalten. Beide CDs sind eine einmalige Gelegenheit, in die musikalische Welt des Deutsch-Nationalen, so wie sich dieses im Österreich der francisco-josephinischen Ära manifestierte und an dem auch Bruckner, wie manche seiner Werke und seine Biografie beweisen, teilhatte, einzutauchen. Die CDs sind für 10 € pro Stück  zuzügl. Porto (im europäischen Ausland für 1 - 2 CDs 4,20 €, nach USA 6,80 €) zu bestellen bei disc-lazarus@gmx.de (Konto: Sparkasse Fürstenfeldbruck/Bayern; IBAN: DE62 7005 3070 0008 1025 92, BIC: BYLADEM1FFB) (23.2.2014) 

Unbekannte Werke Bruckners unter Ricardo Luna
Das Label Preiser Records (PR 91250) hat eine CD herausgebracht, auf der Ricardo Luna einige Werke eingespielt hat, die bisher noch nicht so auf Tonträger erschienen sind. Es handelt sich um die Skizze einer unvollendeten Symphonie in B-Dur, um frühe Versionen einzelner Sätze der 1. und der 9. Symphonie, und um die bisher einzige partiturgetreue Aufnahme des Christus factus est WAB 10 (1873). Luna hat diese Werke teilweise ergänzt, teilweise für Kammermusikensemble bearbeitet - damit überhaupt eine kommerzielle Ausgabe möglich war. Die Bearbeitungen - eigentlich eine überlieferte Tradition des 18. und 19. Jahrhunderts - machen durch die kleinere Besetzung Strukturen hörbar, die sonst unterzugehen drohen - und sie klingen hier sehr "brucknersch"! Aufregend ist die Nebeneinanderstellung der diversen Trios der 9. Symphonie: Der Hörer hat jetzt die Möglichkeit, die diversen Trios als Teil des gesamten Scherzos zu hören, was ein aufregendes Experiment ist! Das musikalische Niveau der Aufnahmen ist sehr hoch; besonders hervorzuheben ist noch das kenntnisreiche Beiheft, in dem Luna die einzelnen Werke detailliert analysiert. Eine CD für Bruckner-Liebhaber, die einen Blick in die Alchimistenküche Bruckners werfen wollen! (8.11.2013)

Die Messe Nr.3 beim Houston Symphony Chorus
Während Bruckners 3. Messe in Europa mit ziemlichem Regelmaß aufgeführt wird, ist eine Aufführung z.B. in den USA eher eine Seltenheit (und das dürfte für die anderen Kontinente in noch stärkerem Maße gelten), und deshalb ist diese jetzt erschienene CD ein wichtiges Ereignis: eine CD mit fast 80 Minuten Bruckner aus Houston - das Symphonische Präludium (dessen Authentizität allerdings sehr umstritten ist), die Messe Nr. 3 (mit als Einlage dem Ave Maria WAB 7!) und zum Schluss eine Orgelimprovisation anhand einiger Bruckner-Themen. Und wem das noch nicht genug ist: das Gloria enthält auch die vi-de-Stelle, die die meisten Dirigenten auslassen. Dirigent ist Franz Anton Krager, es singt der Houston Symphony Chorus und es spielt das Moores School Symphony Orchestra. Es ist beachtlich, was dieses semi-proferssionelle Ensemble hier hören lässt, außerdem in gutem Klang. Das Booklet enthält informative Kurzessays von John Gladney Proffitt und Benjamin M. Korstvedt. Die CD gibt es in einer 'klassischen' Stereo-Version oder als BlueRay Audio, online zu bekommen bei abruckner.com (30.12.2013)

Das Zehetmair Quartett spielt das Streichquartett ein
Im Frühjahr 2010 tourte das Zehetmair Quartett durch die europäischen Konzertsäle mit Bruckners Streichquartett und nahm es kurz danach auf. Jetzt ist auf ECM eine Doppel-CD mit - neben Bruckner - jeweils einem Streichquartett von Beethoven, Hartmann und Holliger erschienen. In der CD Review auf BBC Radio 3 wurde am 30.11. der 1. Satz von Bruckners Quartett gespielt, wobei sich herausstellte, dass die endgültige Studioaufnahme viel schneller geraten ist als in den Rundfunk-Mitschnitten der damaligen Konzerte in London, Paris und Wien: 08'11 gegen 09'01 bzw. 09'03 - ein interessantes Phänomen. (3.12.2013)

Fitzwilliam Quartet
Seit einiger Zeit wurde die Aufnahme des Streichquintetts durch das Fitzwilliam Quartet erwartet; jetzt hat sich herausgestellt, dass das Label des Quartetts das finanzielle Risiko nicht tragen wollte, obgleich die Aufnahme bereits da ist. Das Fitzwilliam Quartet hat darauf hin eine Spendenaktion gestartet: Jeder, der einen Mindestbetrag spendet, bekommt einen gratis Download des Streichquintetts, sobald die Aufnahme CD-reif ist. Mehr Informationen dazu auf abruckner.com oder www.brucknerjournal.co.uk. oder auf der Website des Fitzwilliam Quartets (www.fitzwilliamquartet.org)

Zu entdecken: der Dirigent Ricardo Luna
Der österreichische Dirigent mit argentinischen Wurzeln Ricardo Luna ist seit mehreren Jahren künstlerischer Leiter des Wiener Madrigalchores und hat mit ihm bereits bemerkenswerte Konzerte gegeben. Eine große Rolle in seiner Programmierung spielen die Werke Anton Bruckners. 2007 brachte der Chor an diversen Orten, u.a. im Wiener Stephansdom, ein Konzert mit Instrumentalmotetten von Bruckner, wobei Werke zur Aufführung gelangten, die sonst nur selten zu hören sind, und 2008 gelangen im Großen Musikvereinssaal die Messe f-Moll und das Te Deum zu einer hinreißenden Aufführung, in der weniger der kontemplative Bruckner, als vielmehr der Himmelstürmer, der Bruckner auch gewesen sein muss, in den Vordergrund trat. Von diesen Konzerten gibt es zwar Aufnahmen, aber sie kursieren nur chorintern, sind aufgrund von Rechten (noch) nicht allgemein zugänglich; einige der Instrumentalmotetten sind allerdings auf YouTube zu hören, so dass man einen Eindruck bekommen kann. In Florida/USA dirigiert Luna außerdem ein Symphonieorchester, mit dem Konzerte (und CD-Aufnahmen) mit Bruckners symphonischem Oeuvre geplant sind. Es steht zu hoffen, dass bald ein größeres Publikum mit Lunas Bruckner-Interpretationen Bekanntschaft machen kann. Daneben komponiert Luna: Seine Grande Messe 'Saint Michel' aus 2009 ist inzwischen auf CD erschienen. Für Interessenten: www.ricardo-luna.net. (17.4.2013)

Harding und die Messe Nr. 3
Das Piratenlabel Dirigent hat einen Live-Mitschnitt der f-Moll-Messe veröffentlicht, die 2010 im Rahmen des Lucerne Festivals von Daniel Harding mit dem Chor und dem Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks aufgeführt wurde. Es ist eine Aufführung, die die Extreme der Partitur auslotet, vor allem in Bereich der Dynamik. Wenn auch manche Subtilitäten der Partitur dadurch weniger gut hörbar sind, ist dies doch eine hinreißende Interpretation. Nur lässt sich die CD vermutlich nur über Japan besorgen. (21.3.2013)

Janowski und die Messe Nr. 3
In den letzten etwa zehn Jahren hat sich Marek Janowski in Genf und Berlin ausführlich mit der Musik Bruckners auseinandergesetzt. Nachdem er mit seinem Orchestre de la Suisse Romande Bruckners Symphonien aufgenommen hat - parallel dazu hat er sie auch mit seinem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin gespielt und haben der Deutschlandradio Kultur bzw. der rbb Kulturradio sie gesendet - setzt er seinen CD-Zyklus mit der 3. Messe fort, die jetzt wie die Symphonien bei Pentatone erschienen ist. Das Orchester ist wieder das OSR, der Chor ist der Rundfunkchor Berlin. (13.3.2013)

Das Streichquintett in der Bearbeitung für Streichorchester
Bayer Records hat eine neue Aufnahme des Streichquintetts in Stadlmairs Bearbeitung für Streichorchester veröffentlicht; Ruben Gazarian leitet das Württembergische Kammerorchester Heilbronn. Die CD enthält auch Wagners Siegfried-Idyll. (9.3.2013)

Kerbl Weltliche Männerchöre
Der Mitschnitt des Konzertes 2012 ist erschienen - 16 meist kurze Chöre, a cappella oder mit Begleitung, darunter viele Ersteinspielungen. Das Beiheft ist gewohnt schön aufgemacht, mit unbekannten Illustrationen, mit den Liedtexten und mit Cornelis van Zwols Einführungen. Ärgerlich ist jedoch die Redaktion des Beiheftes, zumindest für den Diskografen. Die fünf Solisten werden nicht dem jeweiligen Werk zugeordnet, sondern nur als Gruppe aufgeführt, der Name des gemischten  Chores (in Track 16-18) fehlt ebenso wie ein Hinweis auf die dort auftretenden Holzbläser (das Beiheft kennt nur ein Blechbläserensemble); der Leser fragt sich nach dem "Who is who" auf dem Gruppenbild mit Brucknerbüste. Und wenn die Namen von zwei Dirigenten aufgeführt werden, würde man auch da gerne wissen, wer was macht. Die Aufnahme von "Lasst Jubeltöne laut erklingen" klingt sonderbar schwammig; auf Kerbls Website liest man als Werbung für das Konzert: "100 Männerstimmen ertönen im Alten Dom"; das würde einiges erklären, aber warum informiert uns das Beiheft nicht darüber? Einige Druckfehler muss man auch in Kauf nehmen. Alles kleine Schlampereien, die dem Wert dieser Veröffentlichung  etwas Abbruch tun. Die Aufnahme besonders des Chores ist sehr hallig geraten. Dass von drei mehrstrophigen Liedern nur eine oder höchstens zwei Strophen (von fünf oder sechs) aufgeführt werden, kann man musikalisch vielleicht verschmerzen, aber die Themenwahl mancher Texte wirft auch ein besonderes Licht auf die nicht-religiösen Seiten von Bruckners Weltanschauung, was hier verloren geht. Mit Platzmangel lässt sich diese Entscheidung jedenfalls nicht erklären: Dass man dem Käufer eine CD mit unter 50 Minuten Musik zumutet, hat vielleicht damit zu tun, dass es für die meisten der aufgeführten Werke keine Konkurrenz gibt. Außerdem verdienen die Künstler für  ihre Interpretationen Lob. Für Bruckner-Liebhaber ist diese CD deshalb unverzichtbar. Bei der nächsten Ausgabe wünscht man sich etwas mehr Sorgfalt. (12.1.2013)

Bruckner-Chorwerke im Internet
Diverse Websites bieten Aufnahmen von Chorwerken an. Bei Opera-Club.net wird die Möglichkeit geboten, für 6 Euro drei CDs herunterzuladen mit diverse Live-Mitschnitten: Messe Nr. 1 (Gardiner), Nr. 2 (Gronostay), Nr. 3 (Celibidache 1958), Te Deum (Barenboim 1981), Motetten und Aequali (Herreweghe 2008) und Psalm 112 und 150 (Sawallisch); die Aufnahmequalität ist meistens zufriedenstellend, nur die des Te Deum ist miserabel (Luna LU-1023). Bei House of Opera können CDs mit diversen Bruckner-Werken bestellt werden, darunter das Te Deum (Matacic, Haitink) und die Messe Nr. 3 (Herreweghe, Blomstedt). Über die technische Qualität dieser Aufnahmen ist nichts bekannt. (12.1.2013)

Piratenausgabe mit der Messe Nr. 3 unter Muti
Das japanische Piratenlabel En Larmes hat einen Rundfunkmitschnitt des Bayerischen Rundfunks mit der 3. Messe unter Muti herausgebracht. Muti ist ein Allrounddirigent, der gleichermaßen Opern, Symphonien und große Chorwerke dirigiert; wie auch Haitink hat er beim Bayerischen Rundfunk regelmäßig Bruckner dirigiert. Es wäre zu wünschen, dass diese Aufnahmen in offiziellen Ausgaben erscheinen würden. Die En Larmes-Augabe ist aus Gründen des Urheberrechts vermutlich in der EU nicht erhältlich; außerdem sind diese Ausgaben überteuert. (11.1.2013)

Alte Aufnahmen im neuen Gewand: Forster und Grossmann
In der Reihe Le Monde de la Musique sacrée ist als 12. Ausgabe eine Doppel-CD mit drei Aufnahmen aus den 1950er Jahren erschienen: Das Te Deum und die 2. Messe unter Karl Forster, die 3. Messe unter Ferdinand Grossmann. Die beiden ersten sind bereits früher auf CD erschienen (EMI), für letztere ist es soweit bekannt das erste Mal, dass sie im CD-Format erscheint. Über die Remastering der Aufnahmen erfährt man nichts, aber der Klang ist, dem Alter der Aufnahmen entsprechend, gut. Durch das abweichende Format der Ausgabe (14½ zu 25½ cm. hochstehend) passt die Ausgabe nur liegend zwischen andere CDs. Der Text ist informativ, aber nur auf Französisch. Das Ganze ist geschmackvoll gestaltet und spottbillig. (15.12.2012)

Bruckners 3. Messe unter Konrad von Abel
Aus Anlass von Celibidaches 100. Geburtstag hat sein Schüler Konrad von Abel 2012 in diversen Konzerten Bruckners f-Moll-Messe aufgeführt; der Mitschnitt des Konzertes im Münchner Herkulesssaal ist nun als CD mit begleitender Festschrift erschienen. Es ist eine Aufführung im Stil des Meisters, mit breiten Tempi und großem Orchester und Chor, und auch interpretatorisch lassen sich Parallelen feststellen, aber dennoch ist dies eine selbständige Interpretation geworden, die interpretatorisch und klanglich zu überzeugen vermag. Die Aufnahme lässt sich günstig über die Website des MonteverdiChores München erwerben: CD und Festschrift kosten im Paket € 15, zuzüglich Versandkosten (http://www.monteverdichor.de/index.php?article_id=13). Die ästhetisch ansprechend gestaltete Festschrift liefert Besonderheiten über die Aufführung und geht auf Celibidaches Musikverständnis und seine Sicht auf Bruckner ein. (15.12.2012

Gerhard Track dirigiert Anton Bruckner
Unter diesem Titel existiert eine CD auf dem Label PMI Records-USA. Es ist ein Live-Mitschnitt aus Wien aus dem Jahre 1996, deutlich zur Feier des Brucknerjahres, wurde allerdings erst 2005 in den USA veröffentlicht und bisher nicht bemerkt. Auf der CD stehen die Ouvertüre g-Moll, die Festkantate, die Vier Orchesterstücke, der 150. Psalm und das Te Deum, mit bisher unbekannten Solisten und mit dem Chor und Orchester des Konservatoriums der Stadt Wien, vermutlich alles Studierende, und es ist eine sehr attraktive CD geworden auf hohem künstlerischem Niveau - nur klanglich werden nicht alle Wünsche erfüllt. Vom Repertoire her ist selbstverständlich besonders die Festkantate interessant; wer hören will, wie sehr Bruckner von Händels Messiah beeindruckt war (bekanntlich improvisierte er gerne über das Hallelujah-Thema), sollte sich dieses Werk anhören. Wo es die CD (noch) zu erwerben gibt, ist leider nicht bekannt. (17.11.2012)

Helgoland bei Naxos
Das Label Naxos, das sich um die Herausgabe vieler musikalischen Raritäten verdient gemacht hat, hat nach seiner Veröffentlichung von Bruckners Symphonien unter Georg Tintner, inklusive diverser Ersteinspielungen einzelner Sätze, lange Stille bewahrt. Umso erfreulicher ist es, dass jetzt eine CD Choruses for Male Voices and Orchestra erschienen ist, die u.a. Bruckners Helgoland in einer Aufnahme der Lund Student Singers und des Malmö Opera Orchestra unter Alberto Hold-Garrida bringt (Naxos 8572871). Allerdings wäre zu wünschen, dass sich Naxos auch anderer in der Bruckner-Diskografie bisher kaum vertretener Werke annehmen würde - dem Imago des Labels entsprechend.

D-Moll-Messe unter Froschauer, Motetten unter Steidler und Te Deum unter Iliev
Sehr preisgünstig und gleichzeitig inhaltlich faszinierend ist die neue Doppel-CD, die bei Crystal Classics erschienen ist: Musik der Wiener Hofkapelle, ein Programm mit Werken, die auf dem CD-Markt unterrepräsentiert sind - auf der ersten CD figurieren Werke von Eybler, Mozart, Salieri, Michael Haydn, Herbeck, Hummel, Randhartinger, die zweite CD bringt kleinere geistliche Werke von Schubert und eine rasante Aufführung von Bruckners d-Moll-Messe. Der Dirigent ist Helmuth Froschauer. - Farao Classics präsentiert eine A Cappella (so auch der Name) CD der Audi Jugendchorakademie unter Martin Steidler, die neben geistlichen Werken von Mendelssohn, Brahms und Rheinberger auch sechs Motetten von Bruckner enthält: a-cappella-Gesang vom höchsten Niveau. - Schließlich bietet u.a. Amazon.com zur Zeit das Te Deum in einer bulgarischen Aufnahme aus 1984 unter Konstantin Iliev als mp3-Download an - eine gediegene, wenn auch nicht aufregende Interpretation. (18.9.2012)

Adlers Aufnahme der d-Moll-Messe neu aufgelegt
Adlers LP-Aufnahme aus 1954 war die erste vollständige Aufnahme der 1. Messe und ein Meilenstein in der Diskografie von Bruckners Vokalwerk. Es gab nie eine CD-Ausgabe, vermutlich weil keine "großen" Namen beteiligt waren. Die Aufnahme verrät sowohl klangtechnisch wie interpretatorisch ihr Alter, überzeugt aber durch die Hingabe der Interpreten noch immer. Die Umsetzung von analog nach digital wurde sehr behutsam gemacht. (28.7.2012)

Bisher unbekannte Bruckner-Aufnahmen unter Jürgens
1984 nahm Jürgen Jürgens mit seinem Monteverdi Chor Hamburg in Jerusalem diverse wenig gespielte Werke aus Bruckners St. Florianer Zeit auf. Producer war David H. Aldeborgh. Geplant waren anscheinend drei LPs, es erschien aber nur eine, die im vergangenen Jahr von John Berky digitalisiert und neu auf CD herausgebracht wurde (BSVD-0109). Jetzt, fast dreißig Jahre später, sind einige Kassetten mit noch mehr Aufnahmen der gleichen Serie aufgetaucht, die wohl auf den weiteren geplanten LPs Platz finden sollten: sie betreffen das Totenlied Nr. 1, die beiden Aequale, Vor Arneths Grab, Libera me II und das Requiem. Sie sind jetzt als CD erschienen (BSVD-0111, erhältlich bei abruckner.com), ergänzt durch das Volksfest-Finale der 4. Symphonie (Melbourne Symphony Orchestra unter Hubert Soudant). Die technische Qualität der Aufnahmen ist gut, der Monteverdi Chor Hamburg singt die Sterne vom Himmel herunter, die Solisten im Requiem überzeugen ebenfalls. Das Booklet ist, mit Anmerkungen von John Berky, David H. Aldeborgh und William Carragan, sehr informativ. (2.7.2012) 

Cornelis van Zwols Bruckner-Biographie
Beim niederländischen Verlag Thoth ist soeben die lang erwartete Biografie Anton Bruckner - Zijn leven en zijn werk von Cornelis van Zwol erschienen. Es ist ein sehr umfangreiches Werk von fast 800 Seiten geworden, die Frucht einer jahrzehntelangen intensiven Beschäftigung mit dem Leben und dem Werk des Komponisten - leider für die ausländischen Leser in niederländischer Sprache (ISBN 90 68685909). Van Zwol bringt eine ungeahnte Fülle von Details, die allerdings nicht Details bleiben, sondern hinter denen Bruckners Welt sichtbar wird - nicht nur sein Leben, sondern auch seine Werke. Die Illustrationen, von Personen, von Schauplätzen, von Erstausgaben der Werke, bringen zum Teil bisher unbekanntes Material. Am Ende der Biographie passieren die einzelnen Kompositionen Bruckners in der Reihenfolge der Gesamtausgabe die Revue. Van Zwol kommt ohne Fachsimpelei und ohne Anmerkungenapparat - beides macht Fachbücher manchmal so ungenießbar - aus. Gewissermaßen als "Zugabe" ist dem Buch eine CD beigegeben: die Aufnahme von der Weltpremiere der 4. Symphonie in der ersten Fassung unter Kurt Wöß, an der Van Zwol als Programmleiter der niederländischen Rundfunkgesellschaft NCRV maßgeblich beteiligt war (1975), hier erstmals als CD. (23.5.2012)

Einige "abendliche" Lieder Anton Bruckners
Die Camerata Musica Limburg hat unter der Leitung Jan Schumachers für das Label Genuin eine neue CD eingesungen mit dem Titel Serenade. Songs of night and love. Es handelt sich um Lieder von Schubert, Vaughan Williams, Sjöberg, Alvén und Bruckner - von letzterem stehen Der Abendhimmel, Um Mitternacht, Abendzauber und Mitternacht auf dem Programm. (12.4.2012)

Thomas Kerbl setzt seine Reihe mit Bruckner-Chören und -Liedern fort
Die dritte CD Thomas Kerbls mit 15 selten aufgeführten Chorwerken und vor allem Liedern Anton Bruckners bringt zum großen Teil Raritäten, die bisher Lücken in der Diskografie waren, und ist darum für Bruckner-Liebhaber unverzichtbar. Es handelt sich um den (Semi-)Live-Mitschnitt eines Konzertes vom September 2011 im Linzer Alten Dom. Die Interpretationen vermitteln einen guten Eindruck von Bruckners Liedschaffen, obgleich die Stimme von Robert Holzer, an sich sehr sonor, wenig Nüancen kennt und bei einigen Liedern eine Transponierung der Tonart erforderlich macht. Die Aufnahme ist direkt, wahrscheinlich um so die Domakustik in den Griff zu bekommen (was gut gelungen ist), das Beiheft ist schön gestaltet und informiert ausführlich und up-to-date vor allem über die oft verworrene Entstehungsgeschichte jedes einzelnen Werkes (Texte und Illustrationen: Cornelis van Zwol, dessen niederländischsprachige Bruckner-Biografie demnächst erscheinen soll!). Bedenklich ist allerdings, dass die CD nur etwa 47 Minuten Musik enthält - als ob es nicht noch eine Reihe anderer selten aufgeführter und eingespielter Chorwerke Bruckners gäbe! Auch die Timings für die einzelnen Werke sind in einigen Fällen ungenau, und die abgedruckten Liedtexte weichen manchmal in Details vom gesungenen Text ab. Doch das ist nur eine Kritik am Rande, die das Verdienst dieser Ausgabe kaum schmälert. Ob es eine vierte Edition dieses Projekts geben wird, ist noch nicht bekannt. (20.2.2012)

Botstein und Huetterott mit der Messe Nr. 3
Zwei Neuerscheinungen dieser Messe sind auf dem Markt! Der Oratorienchor St. Peter Sonneberg hat, in Zusammenarbeit mit der Meininger & Ansbacher Kantorei und der Vogtland-Philharmonie unter der Leitung von Martin Huetterott dieses Werk im Oktober 2011 aufgeführt; einen ersten Eindruck vermittelt ein kurzes Video auf YouTube. Die DVD dieses Konzerts kann preisgünstig bei Smitt Records bestellt werden. Auch die Aufnahme unter Leon Botstein ist ein Konzert-Mitschnitt, diesmal als Audio aus dem Jahr 2003, und kann über die Website des Orchesters heruntergeladen werden.(13.1.2012)

Neue Ausgrabungen bei Klassic Haus: Riedelbauch und Lohmann
Das amerikanische Recyclinglabel Klassic Haus ist das Jahr 2012 mit einigen Bruckner-Ausgaben aus den 1970er Jahren gestartet: Einerseits wurde die Messe in C unter Riedelbauch zusammen mit der Symphonie Nr. 0 unter Hortense von Gelmini gekoppelt - beide Aufnahmen entstanden seinerzeit in Nürnberg (Klassic Haus KHCD 2012-007), andererseits erschien Heinz Lohmanns Einspielung von Bruckners Orgelwerken neu, zusammen mit drei Präludien und Fugen Op. 37 von Mendelssohn. Da zur Zeit kaum Einspielungen von Bruckners Gesamtwerk für Orgel auf CD greifbar sind, ist dies eine willkommene und wichtige "Neuerscheinung" (Klassic Haus KHCD 2012-008).

Arturo Sacchetti und Bruckner
Sacchetti ist ein Enzyklopädist der Orgelliteratur: Er und das Label Loggione Record haben es sich anscheinend zum Ziel gesetzt, einen Überblick über die Entwicklung der Orgelmusik zu geben; normalerweise behandelt eine CD entweder einen Komponisten oder eine Periode, mitunter noch kulturgeographisch aufgeteilt: L'Organo Nei Secoli nennt sich die Reihe. Auf die Auswahl geeigneter Instrumente wird anscheinend kaum Wert gelegt, und Sacchetti ist Spezialist für alles. Dafür ist der Preis moderat und die technische Qualität zufriedenstellend. Auf der CD Romantismo e post-Romantismo Tedesco ist Bruckner  bescheiden mit dem Vorspiel und Fuge c-Moll und dem Nachspiel d-Moll vertreten. Daneben hat der rührige Sacchetti für dasselbe Label anlässlich der Seligsprechung von Papst Johannes Paul II (1.5.2011) eine CD unter dem Titel Beatificazione Giovanni Paolo II aufgenommen, auf der Bruckners Ave Maria (WAB 5) in einer Bearbeitung für Orgel erscheint. (12/2011)

Hyperion Ensemble mit Streichquintett
Bei dem Label Paladino Music ist eine Neueinspielung (Aufnahme 2008) des Streichquintetts mit dem Hyperion Ensemble erschienen unter dem Namen Five to six; als "Filler" dient ein Arrangement von Schuberts Fantasie für Klavier vierhändig D 940 für Streichextett. (2.12.2011)

Die Bruckner-Orgel in Linz und ihre Komponisten
Das Label Spektral meidet die überwucherten Pfade und profiliert sich mit einem Repertoire, das immer wieder neugierig macht; dass man auch eine Vierte Bruckner (unter Lickleder) herausgebracht hat, mutet fast wie eine Konzession an... Die Beschäftigung mit dem Organisten Bruckner bietet da andere Programmmöglichkeiten. Bruckner war zu Lebzeiten ein berühmter Organist, hat aber nur eine Handvoll Werke für dieses Instrument hinterlassen - alles in allem etwa eine halbe Stunde Musik, was für ein CD-Label vermutlich kein attraktives Projekt darstellt, es sei denn, man lässt sich etwas einfallen (vielleicht ist das der Grund dafür, dass im LP-Zeitalter diverse Gesamteinspielungen von Bruckners Orgelwerk erschienen sind, im CD-Zeitalter bisher nur eine). 2008 brachte Spektral eine CD mit der Bruckner-Orgel von St. Florian auf den Markt, mit darauf Werken von Anton Bruckner und Franz Schmidt. Auf einer neuen CD (Spektral SRL 4-11094) steht jetzt die Bruckner-Orgel im Alten Dom in Linz zentral. Mit einem fast genialen Einfall: Die CD vereinigt Werke von Komponisten, die alle ein Band mit dieser Orgel haben: Schiedermayr, Bruckner, Waldeck, Neuhofer, Ruprecht und Horn - mit Ausnahme von Erwin Horn waren sie alle als Domorganisten in Linz tätig - und außer Schiedermayr auch ein Band mit Bruckner. Der Genius loci schafft so doppelte Kohärenz. Die Linzer Orgel wurde seit Bruckners Zeit nicht mehr geändert und der Originalklang blieb erhalten. Bruckner selbst ist nur mit einem Orgelwerk vertreten, seinem wohl beliebtesten, dem Perger Präludium - und dennoch hat auch da der Organist Bernhard Prammer eine Kuriosität zu bieten, nämlich eine erweiterte Fassung dieses Stückes von der Hand von einem von Bruckners Nachfolgern an der Orgel, Franz Neuhofer. Vermutlich sind alle der auf dieser CD vereinigten Werke Ersteinspielungen. Die Aufnahme klingt sehr natürlich und präsent, das Beiheft liefert willkommene Informationen zu den eingespielten Werken und ihren Schöpfern. (16.11.2011)

Barenboims Salzburger Aufnahme von Bruckners Te Deum
Das Eröffnungskonzert der Salzburger Festspiele 2010 brachte, unter der Stabführung Daniel Barenboims, ein Programm mit ziemlichen Extremen: Beethovens 4. Klavierkonzert (mit Barenboim am Klavier), Boulez' Notations (Auswahl) und Bruckners Te Deum. Das Konzert ist jetzt auf DVD (Major) erschienen. Das Te Deum ist, nach 1969 und 1981, Barenboims dritte Aufnahme dieses Werkes. (1.11.2011)

Frühe Werke bei Klassic Haus und BDSV
Das amerikanische Label Klassic [sic!] Haus hat sich auf das Digitalisieren alter, anscheinend vergessener LPs spezialisiert, und Bruckner-Afficionados haben jetzt Grund, ihm dafür dankbar zu sein: zwei seit Jahrzehnten nicht mehr greifbare Aufnahmen aus den 1970er Jahren sind jetzt gekoppelt worden und erstmalig auf CD erschienen (Klassic Haus KHCD-2011-092), nämlich das Requiem unter Hans Michael Beuerle und der Psalm 146 unter Wolfgang Riedelbauch - letzteres sogar die einzige Aufnahme, die von diesem Werk je erschienen ist. Die Digitalisierungen sind gut gelungen (nur die digitalen Pausen zwischen den einzelnen Tracks muten unnatürlich an). Bestellungen sind möglich über die Website John Berkys (abruckner.com). Wer die Website des Labels besucht (www.klassichaus.us), wird feststellen, dass auch die fünf Bruckner-Motetten, die Wilhelm Pitz 1966 mit dem New Philharmonia Chorus für EMI aufnahm, ihr digitales Revival erlebt haben (Klassic Haus KHCD-2011-16). Wer sich für die frühen Chorwerke Anton Bruckners  interessiert, sollte sich übrigens auch nicht die CD "Music of the St. Florian Period" entgehen lassen, die bei abruckner.com erschienen ist (BDSV-0109): Jürgen Jürgens hat 1984 für das Label Jerusalem Records u.a. die Missa Solemnis und das Magnificat aufgenommen, die LP ist trotz ihres Repertoirewerts nie neu aufgelegt worden. John Berky hat hier eine Lücke gefüllt. (31.10.2011)

Bruckner und Aumann
Franz Josef Aumann (1728-1798) war einige Jahrzehnte lang der Chorleiter im Stift St. Florian und hat in der Stiftsbibliothek eine große Anzahl von Kompositionen hinterlassen; Bruckner kannte und schätzte sie - und sogar hat einige A-Cappella-Werke Aumanns um eine Posaunenbegleitung ergänzt. Gunar Letzbor hat Aumanns Requiem und Te Deum plus zwei von Bruckner mit Posaunenbegleitung versehene kurze Werke, Ecce quomodo moritur justus und Tenebrae, auf CD aufgenommen (Pan Classics). Obgleich der Bruckner-Anteil an dieser CD ziemlich gering ist, ist sie auch für Bruckner-Liebhaber interessant, weil sie etwas über Bruckners musikalisch-geistige Heimat aussagt: seine Hochachtung vor der St. Florianer musikalischen Tradition und gleichzeitig seine Unabhängigkeit von ihr. Die Aufführungen setzen auf größtmögliche Authentizität, statt sanften Wohlklangs gibt es eher raue, fast exotisch anmutende Klänge, aber eine wunderbare Transparenz.
(27.4.2011)

Motetten unter Ferguson
Das schottische Label Delphian Records veröffentlichte unter der Nummer DCD34071 eine CD mit bekannten und weniger bekannten Bruckner-Motetten und den beiden Aequali. War es früher das Bestreben der Herausgeber solcher LPs oder CDs, eine möglichst "repräsentative" Auswahl von Motetten vorzulegen, so neigen sie in den letzten Jahren, möglicherweise auch aus kommerziellen Gründen, dazu, auch bisher nicht Veröffentlichtes in die Sammlungen aufzunehmen, was eine erfreuliche Erweiterung des Repertoires bedeutet. Vor allem Kerbl hat hier Bahnbrechendes geleistet. Die neue Aufnahme des Choir of St. Mary's Cathedral aus Edinburgh unter Duncan Ferguson geht nicht so weit; immerhin gibt es hier zwei Totenlieder, die bisher nicht in der Diskografie greifbar waren, und sind auch andere selten eingespielte Motetten zu hören - die Werkauswahl ist ohne weiteres gelungen. Die CD begleitet ein Beiheft mit einer kenntnisreichen Einführung in Bruckners Motettenschaffen, in der gezeigt wird, wie der Komponist dem Cäcilianismus gegenüber seine Eigenständigkeit zu behaupten wusste. (1.4.2011)

DVD Requiem und Te Deum unter Acra-Brache
Von dieser Aufführung von Bruckners Requiem und Te Deum ist, nach der CD (s. 27.9.2010), jetzt auch die DVD erschienen (erhältlich im Shop von abruckner.com), die gegenüber der CD den Vorzug verdient, weil sie, komplementär zu der Audio-Aufnahme, die emotionale Ladung der Interpretationen sichtbar macht und zeigt, wie engagiert und begeistert sich Dirigentin, Sänger und Spieler den betreffenden Werken gewidmet haben. Außerdem besitzt die DVD einige Extras wie z.B. Interviews mit der Dirigentin und den Musikern - auf Spanisch zwar, aber man kann die Untertitel-Funktion (englisch) einschalten. Die DVD macht außerdem sichtbar, dass die Pflege des Brucknerschen Erbes nicht länger europäischen und nordamerikanischen 'weißen' Musikern vorbehalten ist. (16.12.2010)

Israel String Quartet mit Bruckner und Rott
Beim niederländischen Label QuintOne ist eine neue CD erschienen, die die Streichquartette von Bruckner und Rott, vom Meister und seinem Schüler also, vereinigt - eine willkommene Bereicherung des Angebots wegen der originellen Kupplung: Von Bruckners Jugendwerk gibt es relativ wenig Einspielungen, für Rotts Werk ist es erst die bislang dritte Einspielung. Das Israel String Quartet bringt eine zupackende Interpretation beider Werke. (15.12.2010)

Bruckners Männerchöre jetzt bei Gramola
Die 2008 erschienene CD Anton Bruckner Männerchöre (s. unten Notiz vom 18.2.2009), die erste CD von Thomas Kerbls Bruckner-Projekt im Rahmen des Linzer Brucknerfests, ist nun beim Wiener Label Gramola erschienen - sehr empfohlen für denjenigen, der auf der Suche nach selten aufgeführten Werken Anton Bruckners ist; manche dieser kleinen Kostbarkeiten sind Ersteinspielungen! Für 2011 ist eine weitere CD angekündigt worden.

Redivivus: Das Streichquintett durch das Wiener Konzerthaus Quartett
Beim Label forgotten records, das sich vergessener LP-Ausgaben annimmt, erschien eine CD-Version der Aufnahme, die das Wiener Konzerthaus Quartett 1956 von Bruckners Streichquintett für Amadeo einspielte. Durch diese Digitalisierung, die sehr sorgfältig gemacht worden ist, ist nun eine der früheren Einspielungen des Streichquintetts wieder zugänglich. Zu bestellen unter www.forgottenrecords.com. Wenn man die Website besucht, sollte man sich auch die anderen dort angebotenen Titel mal anschauen: Es wird eine nostalgische Show der 50er Jahre geboten, mit großen Aufnahmen, die schon lange nicht mehr greifbar sind. forgotten Records hat es sich zur Aufgabe gemacht, wertvollen LP-Ausgaben, deren Rechte erloschen sind und die aus irgendeinem Grund nicht den Sprung ins CD-Zeitalter geschafft haben, die ihnen gebührende Resonanz zu verschaffen und sie mit professioneller Technik und gleichzeitig liebevoll "per Hand" zu restaurieren - und das alles zu einem Freundschaftspreis. Wer also die großen Namen dieses ersten LP-Jahrzehnts nocht kennt und ihre Aufnahmen schätzt, sollte hier zugreifen. Die Digitalisierungen sind tadellos, die Cover sind geschmackvoll gestaltet und enthalten die genauen diskografischen Daten der betreffenden Aufnahmen. Sehr empfohlen!

Requiem und Te Deum aus Santo Domingo
Die Musikpädagogin und Dirigentin Susana Acra-Bracha hat in einem Konzert in Santo Domingo (Dominikanische Republik) mit semi-professionellen Kräften sowohl das Requiem wie das Te Deum aufgeführt; von diesem Konzert gibt es jetzt einen Live-Mitschnitt (zu bestellen bei abruckner.com). Die Ausgabe ist eine Pioniertat für den lateinamerikanischen Raum (aus dem es bisher soweit bekannt nur einige Aufnahmen von Bruckner-Motetten gab). Bei der Aufnahme glänzen keine "großen Namen", alle an dem Konzert Beteiligten stammen aus der Dominikanischen Republik, die Solisten sind Mitglieder des Chores. Beim Te Deum ist die Kokurrenz auf dem CD-Markt erdrückend, vom Requiem sind nur wenige Aufnahmen greifbar. Das Beiheft enthält einige informative Beiträge (englisch-spanisch), die sich sowohl mit der Interpretation wie der Rezeption der Werke auseinandersetzen. (27.9.2010)

E-Moll-Messe unter Toll
Winfried Toll hat für Ars Musici eine CD mit dem Cantus Missae von Rheinberger und der 2. Messe von Bruckner aufgenommen. Der Chor singt glänzend, die Aufnahmetechnik hatte allerdings bei Bruckner manchmal Schwiergkeiten, die Kirchenakustik zu meistern. Dennoch ist dies eine mögliche Referenzaufnahme der 2. Messe. Abgesehen von der künstlerischen Qualität ist die Ausgabe zusätzlich reizvoll dadurch, dass neben Bruckners Messe eine fast zeitgleich entstandene Messe von Rheinberger angeboten wird; der Hörer entdeckt so, wie 'modern' Bruckners Messe den Zeitgenossen in die Ohren geklungen haben muss. Tolls Interpretation wird in der Diskografie im historischen Überblick der 2. Messe besprochen. (8.8.2010)

Französischer Rundfunkchor singt Bruckner
Radio France hat auf dem eigenen Label einen Live-Mitschnitt aus dem Jahr 2000 herausgebracht, auf dem der Choeur de Radio France unter Norbert Balatsch einige Motetten und die Messe Nr. 2 singt. Es ist ein Chor mit einem vollen, warmen Klang, der auch ein leichtes Vibrato nicht scheut, was allerdings die Ursache für einen manchmal etwas schillernden Klang sein mag. Zwischen den einzelnen Stimmlagen herrscht ein schönes Gleichgewicht; die Dynamikangaben werden sorgfältig befolgt, was eine große Spannweite zwischen ppp und fff bewirkt. Die Musik darf fließen ohne irgendwelchen Manierismen ihren Tribut zollen zu müssen. Die Interpretationen der Motetten wirken sehr lebendig, es wird keine ehrfurchtsvolle Feierlichkeit zelebriert, wobei manchmal auch die Tempi, wie z.B. in Virga Jesse, flexibel gehandhabt werden. Höhepunt der CD ist ohne Zweifel die 2. Messe, bei der das schöne Zusammenspiel zwischen Chor und Orchester auffällt. Die Konkurrenz bei diesem Repertoire ist allerdings groß, so dass der Käufer die Qual der Wahl hat. (6.7.2010)

Anton Bruckner Kirchenmusikalische Werke
Auf dieser CD von Fabian Records (s. weiter unten) sind Werke interpretiert, die, so das (leider nur deutschsprachige) Beiheft, einen Bezug zu Oberösterreich enthalten; Tatsache ist, dass die meisten Werke auf dieser CD, mit Ausnahme von drei Motetten, schon mal früher von Rupert Gottfried Frieberger eingespielt worden sind, auch für andere Labels (das Perger Präludium mittlerweile schon sechsmal), aber da die meisten dieser früheren Aufnahme inzwischen vergriffen und die Neuaufnahmen durchaus gelungen sind, ist diese neue Ausgabe durchaus willkommen. Die CD enthält 19 meist kürzere Werke, darunter die Windhaager Messe und die Messe für den Gründonnerstag, acht Motetten, zwei geistliche Lieder, einige Orgelwerke und die Aequale. Die beiden Chöre des Stifts Schlägl singen robust und sonor (setzen also weniger auf Verfeinerung als z.B. der Arnold Schönberg Chor unter Ortner); für die Orgelwerke standen verschiedene oberösterreichische Orgeln zur Verfügung. Wer etwa eine Aufnahme mit den beiden frühen Messen sucht, findet hier eine ausgezeichnete Ausgabe. Die Angaben zu den Interpreten auf dem hinteren Cover sind durch einen Nummerierungsirrtum etwas irreführend. Zu bestellen sind die Fabian Records über die Website MS-Schlaegl.Post@ooe.gv.at. (29.6.2010)

First Steps - Bruckners Rondo
Das niederländische Ruysdael Quartet hat eine reizvolle CD herausgebracht mit dem Titel First Steps (Cobra Records), mit Werken für Streichquartett aus dem Jugendschaffen (daher der Titel der CD) einiger Komponisten: Bruckners Rondo steht hier neben Werken von Grieg, Puccini, Rachmaninov, Schönberg, Webern und Britten. Wer befürchtet, sich hier mit Unfertigem befassen zu müssen, soll sich überraschen lassen! Die CD besticht durch ihr originelles Programm wie durch ihr hohes spielerisches Niveau - die Interpretationen zeichnen sich sowohl durch Sensibilität wie durch große Klarheit und Virtuosität aus. Die Werkeinführungen im Beiheft ordnen die einzelnen Werke in ihrem musikgeschichtlichen Kontext ein; sie sind knapp aber informativ. Die Handvoll Aufnahmen von Bruckners Rondo hat hier eine überzeugende Ergänzung bekommen. (11.4.2010) 

Eine katholische Messe zur Brucknerzeit
Das österreichische Label Fabian Records veröffentlicht seit den 1990er Jahren regelmäßig CDs mit einerseits Orgelmusik und andererseits meistens wenig(er) aufgeführten Brucknerwerken. Inzwischen sind in der Serie Anton Bruckner etwa ein Dutzend CDs erschienen, von denen diverse anscheinend bereits vergriffen sind. Von den lieferbaren Bruckner-CDs sind zwei für diese Diskografie relevant, nämlich Anton Bruckner Kirchenmusikalische Werke (Fabian Records CD 6116) und Eine katholische Messe zur Brucknerzeit (Fabian Records CD 5116). Erstere liegt mir (noch) nicht vor, letztere bietet ein reizvolles Programm - so könnte nämlich ein Pontifikalamt früher ausgesehen haben, nämlich eine Messe (hier die erste d-Moll), abgewechselt mit kurzen Orgelwerken und Motetten, alles von Bruckner; Dirigent und Organist ist Rupert Gottfried Frieberger. Aber nicht nur der mögliche musikalische Ablauf eines solchen Pontifikalamtes wird gewissermaßen "rekonstruiert", sondern hier wird gleichzeitig das Ambiente der Uraufführung geboten: Ort der Handlung ist nämlich die Empore des Alten Domes in Linz. Dieser begrenzte Raum bestimmt selbstverständlich die Größe des Orchesters und des Chores. Außerdem spielt das Orchester auf Instrumenten der Brucknerzeit. Das Resultat ist anfangs gewöhnungsbedürftig, kann aber Anspruch auf Authentizität erheben. Da die Orgel des Alten Domes ihren historischen Klang bewahrt hat, klingen auch die Orgelwerke so, wie Bruckner sie selbst gespielt und gehört haben mag. Das alles ist Grund genug, sich diese CD anzuhören, auch wenn nicht alles perfekt ist: Emporenraum und Kirchenakustik haben Einfluss auf den Klang, und ein Konzertmitschnitt bietet niemals die Perfektion einer Studio-Aufnahme; das Hörerlebnis entschädigt dafür aber reichlich. (2.4.2010)

Bach & Bruckner für Posaunenquartett
Das Wiener Posaunenquartett hat eine CD mit Transkriptionen mit dem Titel Bach & Bruckner veröffentlicht (Schagerl Records); im Fall von Bruckner handelt es sich um die beiden Aequale, Locus iste, Os justi, Ave Maria und das Adagio aus der Siebenten Symphonie. Das Ensemble spielt äußerst virtuos (was man vor allem bei der Bearbeitung von Bachs E-Dur Violinkonzert feststellen kann) und verfügt über ein weites Klangspektrum, was die CD zu einem Hörerlebnis macht. Während die Transkriptionen der Motetten überzeugen, wirkt die des Adagios der Siebten eher unbefriedigend: Die Kürzung des Satzes auf die Hälfte überzeugt nicht. (21.3.2010)

Spektral mit Bruckner-Aufnahmen
Das erst junge deutsche Label Spektral hat bereits einen interessanten Katalog geschaffen, vor allem mit Werken, die abseits des gängigen Repertoires liegen. Das Spektrum ist weitgefächert vom Mittelalter bis zur zeitgenössischen Musik; Orgelmusik, geistliche Musik, Lieder und Kammermusik bestimmen das Imago des Labels, das vor allem mit jungen Künstlern arbeitet. In Sachen Bruckner erschienen eine CD mit Orgelmusik von Franz Schmidt und Anton Bruckner selbst, gespielt von Robert Kovács auf der Orgel von St. Florian, und neuerdings eine Aufnahme der Vierten Symphonie durch das Gasteig Orchester München unter Christoph Lickleder. Man kann im Internet den Katalog des Labels herunterladen (www.spektral-records.de). (25.2.2010)

Ortner mit Bruckner-Motetten
Erwin Ortner hat bereits diverse Male Bruckner aufgenommen, bereits in den 1970ern auf LP einige Motetten mit dem Schoenberg Chor, später dann, in den 80er und 90er Jahren mit dem jeweiligen Chor der Chorakademie Krems, und jetzt wieder mit "seinem" Arnold Schoenberg Chor, den er 1972 gründete. Die neue CD, Anton Bruckner Tantum ergo, bringt 19 Motetten und die beiden Aequale. Die bekanntesten Motetten sind dabei, aber auch einige weniger oft aufgenommene. So vertonte Bruckner den Text des Tantum ergo insgesamt achtmal, und sechs davon sind auf dieser CD vertreten. Der Schoenberg Chor hat sich einen äußerst kultivierten Klang erarbeitet, und so hört man die Motetten, die manchmal große Anforderungen an die Intonationsfähigkeit der Sänger stellen, hier in atemberaubender Perfektion. Die einführenden Texte (Sabine M. Gruber) im Booklet versuchen dem Hörer das religiöse Erleben dieser Musik nahezubringen, die ästhetische Gestaltung des Covers überzeugt ebenfalls. (20.1.2010)

Thomas Kerbl: der frühe Anton Bruckner mit Chor-, Klavier- und Orgelmusik
Kerbls CD mit Männerchören Anton Bruckners (s. Notiz weiter unten) aus 2008 hat Ende 2009 eine Fortsetzung gefunden mit einem Programm aus 19 kleineren Werken: 11 geistliche Chöre, 4 Klavierstücke, 3 Orgelwerke und auch Abendklänge für Klavier und Violine, das einzige kammermusikalische Werk Bruckners neben seinem Streichquintett und -quartett. Und wer vergleichen möchte: Auch Kerbl hat, wie Ortner (s. oben), das Tantum ergo zum Mittelpunkt seiner CD gemacht: alle acht Vertonungen Anton Bruckners finden sich hier, neben anderen Raritäten, wie etwa beide Vertonungen des Libera me und der Psalm 22. Es nimmt dann auch nicht wunder, dass diverse Werke dieser CD bisher kaum oder gar nicht (Abendklänge) in der Diskografie vertreten sind. Kerbl arbeitet mit einem Chor aus  den Gesangsklassen der Bruckneruniversität Linz; der Klang seines Chores ist weniger raffiniert als der des Schoenberg Chores, aber das wird durch Frische und Einsatz während dieses Live-Konzertes wettgemacht. Die CD besticht, wie auch ihr Vorgänger, außerdem durch ein informatives Booklet (Einführungen von Cornelis van Zwol) mit schönen Illustrationen von Erstausgaben mancher der aufgeführten Werke. (20.1.2010) 

Bruckner-Symphonien auf dem Klavier
Eine Neuheit wenn man will im Grauzonenbereich dieser Diskografie: Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein boten Klavierbearbeitungen Musikliebhabern oft die einzige Möglichkeit, bestimmte Orchestermusik kennen zu lernen bzw. öfter zu hören. Aus diesem Grund wurden auch von den Symphonien Anton Bruckners Transkriptionen für Klavier zwei- und vierhändig hergestellt, und zwar von seinen Schülern. Dino Sequi und Gerhard Hofer haben die 1. und die 2. Symphonie (in der Transkription von Ferdinand Löwe bzw. Joseph Schalk) in einem Konzert im Alten Dom Linz gespielt und der Mitschnitt dieses Konzerts ist jetzt als Doppel-CD erschienen - spieltechnisch wie aufnahmetechnisch exzellent; neben dem Hauch von Nostalgie vermittelt die Aufnahme auch einen Eindruck von der frühen Bruckner-Rezeption. Zu bestellen bei abruckner.com. (14.12.2009)

Bruneder und die e-Moll-Messe
Bruckners 2. Messe ist, zumindest was die Tonaufnahmen betrifft, seine beliebteste. Von Bruneder und seiner Chorvereinigung Schola Cantorum gibt es bereits einige CDs mit Bruckner-Motetten; nun ist der Live-Mitschnitt eines Festkonzerts aus 2008 erschienen, auf dem die e-Moll-Messe der wichtigste Bestandteil ist. Eine Besprechung dieses Konzertes findet sich im Mitteilungsblatt 72 der Studien & Berichte der Internationalen Bruckner-Gesellschaft (Juni 2009). (22.11.2009)

Koeckert-Quartett und Jochum
Zu den legendären Aufnahmen von Bruckners Streichquintett gehört die des Koeckert-Quartetts aus 1952 bei DG. Jetzt ist sie bei dem kleinen französischen Label Forgotten Records,  das sich bereits mit diversen sorgfältig digitalisierten Neuausgaben alter LPs hervorgetan hat, neu erschienen. Auch einige frühe Jochum-Aufnahmen wurden von diesem Label neu aufgelegt: Bruckners Siebente Symphonie aus 1952 und Jochums erste Aufnahme des Te Deum (1950). Diese Neuausgaben sind eine willkommene Möglichkeit, sich einige berühmte aber gleichsam verschollene Bruckner-Aufnahmen anzuschaffen. Der Klang der CDs ist sehr authentisch. Interessenten finden den Katalog des Labels unter forgottenrecords.com; dort können sie auch diese und andere wertvolle Neuausgaben bestellen. (28.8.2009)

Entdeckung auf der Website der Österreichischen Mediathek: Bruckners Te Deum unter Andreae
Ein Daueritem auf der Website der Österreichischen Mediathek ist die Gründung der Republik Österreich 1955. Unter den "Exponaten" befindet sich auch eine Aufführung von Bruckners Te Deum, so wie es damals am 15.5.1955 vom Österreichischen Rundfunk als Dank für die wiedergewonnene Selbständigkeit gesendet wurde. Bisher war es eine anonyme Aufnahme, weil die Aufführung, vermutlich zu Dokumentationszwecken, von einer Privatperson mitgeschnitten worden und irgendwann der Mediathek zur Verfügung gestellt worden war. Durch Vergleich mit den Aufnahmen in meiner Sammlung habe ich feststellen können, dass es sich um eine Aufführung unter Volkmar Andreae handelt, die erst vor kurzem aud CD erschienen ist. Andreae war in den 40er und 50er Jahren ein namhafter Bruckner-Dirigent, dessen Interpretationen noch immer hörenswert sind, der aber leider nur die Symphonien 1- 3 im Studio aufgenommen hat (Amadeo, Philips). In den Archiven schlummern jedoch Tonbänder, die, meist mit den Wiener Symphonikern, Live-Aufnahmen aller Symphonien, der 3. Messe und des Te Deums umfassen; de meisten Aufnahmen sind 1953 entstanden. Auf der Website der Österreichischen Mediathek kann man sich das Te Deum anhören und, wenn man will, mitschneiden - es lohnt sich allemal! Die Mediathek hat inzwischen meine Angaben übernommen. Für den Link vgl. die Seite des Te Deums.  Inzwischen hat Music & Arts sowohl die Symphonien wie das Te Deum sorgfältig reatauriert und in einer Andreae-Bruckner-Box (9 CD) herausgebracht; jezt müssen wir noch auf die 3. Messe und das Te Deum der Bregenzer Festspiele 1959 warten... (27.6.2009)

Bruckner Serenade - Robert Rÿker/Tokyo Sinfonia
Bruckner boomt bereits seit jahren in Japan, und da können Bearbeitungen nicht ausbleiben. Robert Rÿker, Dirigent der Tokyo Sinfonia, eines neunzehnköpfigen Streichorchesters, hat einige Werke Anton Bruckners auf das Format seines Orchesters zugeschnitten und aufgeführt; die Live-Aufnahme erschien auf dem Label BSVD (zu beziehen über John Berky's Website abruckner.com). Aufgeführt wurden die Ouvertüre g-Moll, die vier Orchesterstücke und das Streichquintett. (30.5.2009)

Bruckner Werke für Streichquartett und Streichquintett - Fine Arts Quartet
Zwar ist diese CD nicht mehr ganz brandneu, aber sie verdient einen Hinweis besonders durch die  intensive Interpretation des Streichquintetts (besonders des 1. Satzes), aber auch, weil sie zu einem moderaten Preis das ganze bisher veröffentlichte Oeuvre für Streichquartett bzw. -quintett bietet, in Interpretationen, die sich mit anderen messen können, auch wenn sie nicht ganz zur Spitze gehören. (13.4.2009)

Bruckner in Cathedral - Czech Horn Chorus, Ltg. Milos Bok
Unter diesem Nenner hat das japanische Label Cryston (ein Unterlabel von Octavia Records) sieben bekannte Motetten, die Windhaager Messe und das Adagio der Siebenten Symphonie zusammengefasst, in Arrangements von Milios Bok für Hornensemble. Die Bearbeitungen halten sich eng an die Vorlagen und es wird auf hohem Niveau musiziert; allerdings bleibt die enge Verbindung, die sich in Bruckners Vertonungen religiöser Texte öfters zwischen Wort und Musik feststellen lässt, auf der Strecke. (7.3.2009)

Anton Bruckner Männerchöre - Thomas Kerbl
Der Repertoirewert dieser Live-Aufnahme aus dem Alten Linzer Dom kann nicht hoch genug angeschlagen werden: Es gibt relativ wenig CD-Ausgaben mit Männerchören Anton Bruckners, und die meisten hier versammelten Werke betreffen außerdem die bisher weitgehend vernachlässigte weltliche Vokalmusik. Thomas Kerbl leitet die Männerchorvereinigung Bruckner 08 und das Ensemble Linz. Das Booklet enthält neben den Texten der Lieder und schönen Illustrationen sehr informative Erläuterungen von Cornelis van Zwol - sehr willkommen bei diesen relativ unbekannten Werken! Die CD ist online erhältlich bei www.brucknerhaus.at.

Bruckner, Messe Nr. 3 - Herreweghe, RIAS Kammerchor, Orchestre des Champs-Élysées
Herreweghes Aufnahme der 2. Messe ist bereits 20 Jahre alt; 2007 führte er die 3. Messe einige Male auf, sowohl mit dem Orchestre des Champs-Élysées wie mit dem Concertgebouworchester. Aus dieser Auseinandersetzung mit der 3. Messe ist diese eindrucksvolle Aufnahme auf Harmonia Mundi entstanden. Leider enthält das Beiheft keinerlei Hinweis auf Aufführungsdatum und -ort, und die Werkeinführung ist relativ kurz gehalten.

Bruckner, Requiem - Janssens, Laudantes Consort
Keine der in der Diskografie aufgeführten Einspielungen des Requiems dürfte zur Zeit greifbar sein, und so ist diese neue Aufnahme (live 2006) sehr willkommen, zumal sie im historischen Gewande daherkommt, so dass der Hörer einen Eindruck bekommt, wie die Musik bei ihrer Uraufführung vor 160 Jahren geklungen haben könnte. Der damals junge Komponist ist in dieser Musik durchaus Kind seiner Zeit, und so bietet diese CD des Labels Cypres einen Einblick in das nachklassische Musikschaffen in Österreich, darüber hinaus aber eine Aufführung, die in ihrer Lebendigkeit zu fesseln vermag. Als zweites Werk enthält die CD das Requiem von Duruflé.
(18.2.2009)